: Ranglos :

Anmeldungsdatum: 06.11.2003
Beiträge: 1986
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Titel:
Mann, ich hab´die beiden Stories lange nicht mehr gelesen....
Den Prozeß mag ich gern und kenn´ich besser, das habe ich ja oben schonmal erklärt.
Aber das Schloß - das habe ich nicht so gerne.
Parallelen gibt´s wahrscheinlich viele, klar, aber dafür müßte ich beides nochmal (daraufhin) lesen.
Beim Schloß ist es nicht die Vergeblichkeit, die mich so nervt (das ist im Prozeß ja auch das Thema, wie in einem bösen Traum: man weiß, man muß wohin, aber nicht, warum und wie), sondern die mir nicht nachvollziehbare Situation.
Vermutlich ist das eine Frage der Sozialisation: während ich in einem Amtsgebäude auf der Suche nach den richtigen Stempeln in der richtigen Reihenfolge zwar gequält und widerstrebend, aber letzlich widerstandslos Tage verbringen würde, ohne die letztendliche Notwendigkeit der ganzen Sache zu hinterfragen, ist das in einer Situation wie beim "Schloß" ganz was anderes.
Wenn ich in einem Kaff festsitze, weil der, der mir einen Job versprochen hat, mich hängen läßt, dann reise ich ab, und zwar bald.
Frag´mich bitte nicht, worin der qualitative Unterschied der beiden Situationen liegt - ich weiß es nicht.
Bei Behördenwegen habe ich immer im Hinterkopf, daß da ein Sinn dahintersteckt, der sich mir von alleine nicht erschließt, und den mir auch der einzelne Beteiligte nicht vollständig erklären kann, da er auch nur "Teil"-Beteiligter ist. Trotzdem ist das große Ganze prinzipiell richtig.Laß´es mich so erklären: wenn Du plötzlich Staubkorngröße hättest und in das mechanische Werk einer hochkomplizierten Uhr gesetzt würdest (nehmen wir mal eine IWC Da Vinci an), da läuft alles sozusagen amtlich. Wenn Du ein einzelnes Rad fragst, was und warum da die Dinge abgehen - keine Ahnung.
Aber irgendwie, irgendwo ist da der große ganze Sinn.
Mir ist das Gefühl nicht auszutreiben (Gefühl, sonst nichts), daß die Behörde immer recht hat.
Peinliches Geständnis: ich stamme aus einer langreihigen Beamten-und Juristenfamilie, die k&k-Behörden haben sich scheinbar in mein Genom geschlichen.
Dagegen das Schloß: um das zu verstehen/akzeptieren, mußt Du glaube ich Bauern und Leibeigene im Genom haben.
Das mit der Traumwelt: diese Atmosphäre habe alle Geschichten Kafkas, die ich gelesen habe. finde ich. Immer ist man bereit, zu akzeptieren, daß ganz plötzlich alles ganz anders ist, und das ist selbstverständlich. Eben wie in einem Traum.
Den Prozeß mag ich gern und kenn´ich besser, das habe ich ja oben schonmal erklärt.
Aber das Schloß - das habe ich nicht so gerne.
Parallelen gibt´s wahrscheinlich viele, klar, aber dafür müßte ich beides nochmal (daraufhin) lesen.
Beim Schloß ist es nicht die Vergeblichkeit, die mich so nervt (das ist im Prozeß ja auch das Thema, wie in einem bösen Traum: man weiß, man muß wohin, aber nicht, warum und wie), sondern die mir nicht nachvollziehbare Situation.
Vermutlich ist das eine Frage der Sozialisation: während ich in einem Amtsgebäude auf der Suche nach den richtigen Stempeln in der richtigen Reihenfolge zwar gequält und widerstrebend, aber letzlich widerstandslos Tage verbringen würde, ohne die letztendliche Notwendigkeit der ganzen Sache zu hinterfragen, ist das in einer Situation wie beim "Schloß" ganz was anderes.
Wenn ich in einem Kaff festsitze, weil der, der mir einen Job versprochen hat, mich hängen läßt, dann reise ich ab, und zwar bald.
Frag´mich bitte nicht, worin der qualitative Unterschied der beiden Situationen liegt - ich weiß es nicht.
Bei Behördenwegen habe ich immer im Hinterkopf, daß da ein Sinn dahintersteckt, der sich mir von alleine nicht erschließt, und den mir auch der einzelne Beteiligte nicht vollständig erklären kann, da er auch nur "Teil"-Beteiligter ist. Trotzdem ist das große Ganze prinzipiell richtig.Laß´es mich so erklären: wenn Du plötzlich Staubkorngröße hättest und in das mechanische Werk einer hochkomplizierten Uhr gesetzt würdest (nehmen wir mal eine IWC Da Vinci an), da läuft alles sozusagen amtlich. Wenn Du ein einzelnes Rad fragst, was und warum da die Dinge abgehen - keine Ahnung.
Aber irgendwie, irgendwo ist da der große ganze Sinn.
Mir ist das Gefühl nicht auszutreiben (Gefühl, sonst nichts), daß die Behörde immer recht hat.
Peinliches Geständnis: ich stamme aus einer langreihigen Beamten-und Juristenfamilie, die k&k-Behörden haben sich scheinbar in mein Genom geschlichen.
Dagegen das Schloß: um das zu verstehen/akzeptieren, mußt Du glaube ich Bauern und Leibeigene im Genom haben.
Das mit der Traumwelt: diese Atmosphäre habe alle Geschichten Kafkas, die ich gelesen habe. finde ich. Immer ist man bereit, zu akzeptieren, daß ganz plötzlich alles ganz anders ist, und das ist selbstverständlich. Eben wie in einem Traum.
: Orakel-Schüler(in) :

Anmeldungsdatum: 06.11.2003
Beiträge: 2058
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Titel:
Das kann ich verstehen, Güldenstern. Schloss und Process sind vom Genre her schon sehr unterschiedlich. Das eine ist gruselig, das andere ein Thriller.
Beim Schloss ist K. ein Fremder, der sich in die Gesellschaft integrieren will, beim Process ist er jemand, der eigentlich schon dazu gehört.
Das Schloss ist viel länger als der Process, wurde aber nie richtig beendet.
Übrigens habe ich auf 3 Sat letztens den Film "Der Process" gesehen und dann dazu diese Inhaltsangabe gemacht: http://free.pages.at/yaso/process.htm
Beim Schloss ist K. ein Fremder, der sich in die Gesellschaft integrieren will, beim Process ist er jemand, der eigentlich schon dazu gehört.
Das Schloss ist viel länger als der Process, wurde aber nie richtig beendet.
Übrigens habe ich auf 3 Sat letztens den Film "Der Process" gesehen und dann dazu diese Inhaltsangabe gemacht: http://free.pages.at/yaso/process.htm
: Orakel-Schüler(in) :

Anmeldungsdatum: 06.11.2003
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Titel:
Je öfter man den Process liest, desto spannender wird er. Die Türhüterlegende "Vor dem Gesetz" allein ist nochmal der Prozess im kleinen.
Mal eine kleine Interpretation (unter anderem von mir
):
Das Gesetz ist ein höherer Wert, etwas das man erreichen möchte. Wie der Mann vom Lande ebenfalls. Er sitzt davor und wundert sich, dass außer ihm bis jetzt noch niemand erschienen ist.
Der Türhüter spricht ein Verbot aus, er dürfe nicht hinein. Außerdem warnt er den Mann, dass die anderen Türhüter so schrecklich sind, dass nicht einmal er sie ansehen kann. Davon lässt sich der Mann soweit beeinflussen, dass er nicht einmal versucht durch die Tür zu gelangen. Die Tür war aber für den Mann selbst, und nur für ihn bestimmt. Nur er hätte hindurch gehen können.
"Ich kann dir die Tür zeigen, hindurch gehen musst du selbst" - ein geflügeltes Wort, und das nicht erst seit Matrix.
Er hätte es zumindest versuchen müssen. Seine inneren Selbstzweifel haben ihn davon abgehalten. K. strebt nicht mehr. Seine Karriere in der Bank stagniert. Zwar bemüht er sich um sein Ansehen - darum ist er auch mit dem Advokaten Hasterer befreundet - aber er ist noch immer der Bankprokurist, der er am Anfang war. Seine Mutter denkt er wäre schon längst Direktor, und das wäre er auch, wenn er sich um die Stelle bemühen würde. Das tut K. nämlich nicht.
Meine Frage: Ist K. ein Mitglied der Gesellschaft? In seinem Alter ist er noch immer nicht verheiratet (was nicht unbedingt ein Grund ist), er hat keine Freundin - bis auf Elsa, die aber nur als Mädchen, nicht als K.'s Freundin erwähnt wird - und keine Freunde (bis auf Hasterer).
Obwohl K. mitten im Leben steht - er wurde am Morgen seines 30. Geburtstags verhaftet - hat er so gut wie nichts erreicht.
Mal eine kleine Interpretation (unter anderem von mir
Das Gesetz ist ein höherer Wert, etwas das man erreichen möchte. Wie der Mann vom Lande ebenfalls. Er sitzt davor und wundert sich, dass außer ihm bis jetzt noch niemand erschienen ist.
Der Türhüter spricht ein Verbot aus, er dürfe nicht hinein. Außerdem warnt er den Mann, dass die anderen Türhüter so schrecklich sind, dass nicht einmal er sie ansehen kann. Davon lässt sich der Mann soweit beeinflussen, dass er nicht einmal versucht durch die Tür zu gelangen. Die Tür war aber für den Mann selbst, und nur für ihn bestimmt. Nur er hätte hindurch gehen können.
"Ich kann dir die Tür zeigen, hindurch gehen musst du selbst" - ein geflügeltes Wort, und das nicht erst seit Matrix.
Er hätte es zumindest versuchen müssen. Seine inneren Selbstzweifel haben ihn davon abgehalten. K. strebt nicht mehr. Seine Karriere in der Bank stagniert. Zwar bemüht er sich um sein Ansehen - darum ist er auch mit dem Advokaten Hasterer befreundet - aber er ist noch immer der Bankprokurist, der er am Anfang war. Seine Mutter denkt er wäre schon längst Direktor, und das wäre er auch, wenn er sich um die Stelle bemühen würde. Das tut K. nämlich nicht.
Meine Frage: Ist K. ein Mitglied der Gesellschaft? In seinem Alter ist er noch immer nicht verheiratet (was nicht unbedingt ein Grund ist), er hat keine Freundin - bis auf Elsa, die aber nur als Mädchen, nicht als K.'s Freundin erwähnt wird - und keine Freunde (bis auf Hasterer).
Obwohl K. mitten im Leben steht - er wurde am Morgen seines 30. Geburtstags verhaftet - hat er so gut wie nichts erreicht.
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