Philosophie » Manipulation durch die Sprache
: Programm-Dealer(in) :

Anmeldungsdatum: 06.11.2003
Wohnort: NiRvAnA
Beiträge: 205
Anmeldungsdatum: 06.11.2003
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Titel: Manipulation durch die Sprache
*mal wieder das Philo-Forum in dieser trägen Zeit in Schwung zu bringen versucht*
Aus oben genanntem Buch von Rupert Lay - Manipulation durch die Sprache blieb mir folgender Satz im Gedächtnis
90% aller verbalen Kommunikation dient dazu, den anderen dahingehend zu beeinflussen dass man selbst in dessen Augen besser dasteht.
Und egal in welchem Bereich, sei es Gesellschaft, Wirtschaft oder Beziehung.
Für mich anfangs ziemlich heftig und schwer zu verdauen, aber nach reiflicher Überlegung werden die 90% fast schon stimmen. Denn wie oft wird aus einem erbetenen Bericht der letzten Party, eine One-man-Show wenn ein freundlicher Zeitgenosse anfängt aufzuzählen wie toll denn alles war. Da werden teils utopische Dimensionen der Stimmung, Anzahl der Leute und Trinkgewohnheiten aufgezählt, um die Party hochzuloben und dadurch indirekt sich selbst da man ja bei diesem MegaEvent dabei war.
Lustigerweise auch in liebgemeinten Kommentaren in Freundschaften. "Seh ich in diesem Kleid gut aus?"oder "Passt meine Frisur?" Viel zu oft erwisch ich mich leider auch selbst dabei dass ein "Ja" herausrutsch obwohl man auch anderst hätte antworten können, klar ist subjektiv vieles schön, was objektiv vielleicht nicht passt. Aber gerade in dieser Zustimmung (Manipulation) stellt man sich zu der fragenden Person gut, da man mit ihr einer Meinung ist. [bezügl. Kleidung und Frisur in diesem Fall]
gut vielleicht jetzt doofe Beispiele aber mir fällt grad nix anderes ein, außerdem soll das ja ne Einladung an das gesamte PhiloForum sein.
mögliche Diskussionsbereiche
- Sind die 90% übertrieben oder kommen sie der Wahrheit nahe?
- andere Beispiele wie stark die Sprache manipulativ eingesetzt werden kann
- Ist man sich manchmal selbst überhaupt im Klaren wie unbewusst man andere versucht zu manipulieren
- ...
Euer
- FauHa -
Aus oben genanntem Buch von Rupert Lay - Manipulation durch die Sprache blieb mir folgender Satz im Gedächtnis
90% aller verbalen Kommunikation dient dazu, den anderen dahingehend zu beeinflussen dass man selbst in dessen Augen besser dasteht.
Und egal in welchem Bereich, sei es Gesellschaft, Wirtschaft oder Beziehung.
Für mich anfangs ziemlich heftig und schwer zu verdauen, aber nach reiflicher Überlegung werden die 90% fast schon stimmen. Denn wie oft wird aus einem erbetenen Bericht der letzten Party, eine One-man-Show wenn ein freundlicher Zeitgenosse anfängt aufzuzählen wie toll denn alles war. Da werden teils utopische Dimensionen der Stimmung, Anzahl der Leute und Trinkgewohnheiten aufgezählt, um die Party hochzuloben und dadurch indirekt sich selbst da man ja bei diesem MegaEvent dabei war.
Lustigerweise auch in liebgemeinten Kommentaren in Freundschaften. "Seh ich in diesem Kleid gut aus?"oder "Passt meine Frisur?" Viel zu oft erwisch ich mich leider auch selbst dabei dass ein "Ja" herausrutsch obwohl man auch anderst hätte antworten können, klar ist subjektiv vieles schön, was objektiv vielleicht nicht passt. Aber gerade in dieser Zustimmung (Manipulation) stellt man sich zu der fragenden Person gut, da man mit ihr einer Meinung ist. [bezügl. Kleidung und Frisur in diesem Fall]
gut vielleicht jetzt doofe Beispiele aber mir fällt grad nix anderes ein, außerdem soll das ja ne Einladung an das gesamte PhiloForum sein.
mögliche Diskussionsbereiche
- Sind die 90% übertrieben oder kommen sie der Wahrheit nahe?
- andere Beispiele wie stark die Sprache manipulativ eingesetzt werden kann
- Ist man sich manchmal selbst überhaupt im Klaren wie unbewusst man andere versucht zu manipulieren
- ...
Euer
- FauHa -
: Orakel :

Anmeldungsdatum: 06.11.2003
Beiträge: 4149
Anmeldungsdatum: 06.11.2003
Beiträge: 4149
Titel: Re: Manipulation durch die Sprache
FauHa hat Folgendes geschrieben:
90% aller verbalen Kommunikation dient dazu, den anderen dahingehend zu beeinflussen dass man selbst in dessen Augen besser dasteht.
In 96% aller fälle bringt man die leute dazu zu glauben was man sagt, wenn man statistiken aufzählt
Die neunzig prozent halte ich zwar für etwas viel, aber im grunde ist die behauptung wahr dass wir die sprache zu unserem vorteil nutzen.
Obwohl unser gegenüber nicht darauf hereinfällt wenn gestik, mimik oder betonung nicht stimmen.
Vielleicht ist es auch ganz natürlich sich in ein besseres licht rücken zu wollen, und folglich macht man es oft ganz unbewusst.
Z.
: Unwissende(r) :
Anmeldungsdatum: 26.11.2003
Wohnort: München
Beiträge: 28
Anmeldungsdatum: 26.11.2003
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Beiträge: 28
Titel:
Schönes Thema, gefällt mir.
Ich war gerade am Überlegen, ob da der Typ von Mensch nicht
auch eine Rolle spielt. Aber: Ich glaube nicht.
Von den 90 % entfallen aber schon auch welche auf das
unbewusste "sich positiv darstellen", indem man zB Dinge weiss,
die einen anderen erstaunen lassen.
Zur Vermittlung von Gedanken durch Worte: Ich halte zumindest die
deutsche Sprache für zu nieder, als dass sie überhaupt das
vermitteln kann, was man "sagen" will. Denn dafür hat der
Gesprächspartner zu viel Interpretationsfreiheit.
Mit einem guten Freund kann man auch mal schweigen
Ich finde es Schade, wozu die Sprache missbraucht wird.
Gruß
Q
Ich war gerade am Überlegen, ob da der Typ von Mensch nicht
auch eine Rolle spielt. Aber: Ich glaube nicht.
Von den 90 % entfallen aber schon auch welche auf das
unbewusste "sich positiv darstellen", indem man zB Dinge weiss,
die einen anderen erstaunen lassen.
Zur Vermittlung von Gedanken durch Worte: Ich halte zumindest die
deutsche Sprache für zu nieder, als dass sie überhaupt das
vermitteln kann, was man "sagen" will. Denn dafür hat der
Gesprächspartner zu viel Interpretationsfreiheit.
Mit einem guten Freund kann man auch mal schweigen
Ich finde es Schade, wozu die Sprache missbraucht wird.
Gruß
Q
: Orakel-Schüler(in) :

Anmeldungsdatum: 06.11.2003
Beiträge: 2304
Anmeldungsdatum: 06.11.2003
Beiträge: 2304
Titel:
Hi,
wenn auch die unbewusste Manipulation dazugezählt wird, halte ich die 90% für plausibel.
Es ist ja auch so, dass wenn man nur information weitergibt, auch damit bereits (unbewusst) "glänzen" will bei anderen.
Ich bitte allerdings auch noch zu bedenken, dass das wort "Manipulation" eigentlich rein wertfrei zu sehen ist, also wir verstehen es als negativ. Eine Manipulation impliziert etwas, das der Betroffene eigentlich nicht will - das ist es aber nicht!
Wenn ich jemanden z. B. tröste, manipuliere ich ihn ja auch, aber so dass es ihm danach besser geht.
Ganz persönlich denke ich aber dass es eher so ist, dass dieses Gut-dastehen-Wollen nur ein TEIL von dem ganzen ist.
Dieses Gut-dastehen-Wollen schwingt vielleicht wirklich in jeder (oder in 90%) Kommunikation mit, aber es schwingen auch noch andere Sachen mit, nämlich dass man auch dem anderen helfen will.
Also dass das Gut dastehen nicht die EINZIGE Intention bei dem ganzen ist, sondern nur eine von mehreren, die aber bei fast jeder Kommunikation dabei ist.
Insofern find ich das nicht mehr so schlimm, weil das ist doch nur menschlich, oder?
Jeder Mensch will doch gut dastehen, damit er beliebt ist. Dahinter steckt doch nur die Angst, ausgeschlossen zu sein, einsam und verlassen zu sein, und nicht mehr dazuzugehören. Es stärkt also auch irgendwie das Zusammengehörigkeitsgefühl.
Bestimmt gibt es Leute die einfach nur geltungsbedürftig sind, immer im Mittelpunkt stehen wollen, da überwiegt einfach dieser Gut-dastehen-Will-Teil, und ich denke jeder von uns kennt einige solche Leute und weiss die auch (richtig) einzuschätzen.
Aber der Grossteil der menschen will einfach nur interagieren, Information aller Art austauschen und Beziehungen festigen (auch dazu dient Sprache) - und wenn dabei dann auch immer ein Teil ist, der den Sprecher in ein gutes Licht setzen soll (meist eh unbewusst), und das eh bei so ziemlich allen Menschen so ist, dann kann ich damit leben.
Wenn man es weiss, dann lässt man sich doch nicht mehr so leicht davon täuschen, oder?
Und wie gesagt, die Art von Menschen, bei denen dieses Bedürfnis, gut dazustehen, überwiegt, die durchschaut man sowieso meistens recht schnell.
lg Unique
wenn auch die unbewusste Manipulation dazugezählt wird, halte ich die 90% für plausibel.
Es ist ja auch so, dass wenn man nur information weitergibt, auch damit bereits (unbewusst) "glänzen" will bei anderen.
Ich bitte allerdings auch noch zu bedenken, dass das wort "Manipulation" eigentlich rein wertfrei zu sehen ist, also wir verstehen es als negativ. Eine Manipulation impliziert etwas, das der Betroffene eigentlich nicht will - das ist es aber nicht!
Wenn ich jemanden z. B. tröste, manipuliere ich ihn ja auch, aber so dass es ihm danach besser geht.
Ganz persönlich denke ich aber dass es eher so ist, dass dieses Gut-dastehen-Wollen nur ein TEIL von dem ganzen ist.
Dieses Gut-dastehen-Wollen schwingt vielleicht wirklich in jeder (oder in 90%) Kommunikation mit, aber es schwingen auch noch andere Sachen mit, nämlich dass man auch dem anderen helfen will.
Also dass das Gut dastehen nicht die EINZIGE Intention bei dem ganzen ist, sondern nur eine von mehreren, die aber bei fast jeder Kommunikation dabei ist.
Insofern find ich das nicht mehr so schlimm, weil das ist doch nur menschlich, oder?
Jeder Mensch will doch gut dastehen, damit er beliebt ist. Dahinter steckt doch nur die Angst, ausgeschlossen zu sein, einsam und verlassen zu sein, und nicht mehr dazuzugehören. Es stärkt also auch irgendwie das Zusammengehörigkeitsgefühl.
Bestimmt gibt es Leute die einfach nur geltungsbedürftig sind, immer im Mittelpunkt stehen wollen, da überwiegt einfach dieser Gut-dastehen-Will-Teil, und ich denke jeder von uns kennt einige solche Leute und weiss die auch (richtig) einzuschätzen.
Aber der Grossteil der menschen will einfach nur interagieren, Information aller Art austauschen und Beziehungen festigen (auch dazu dient Sprache) - und wenn dabei dann auch immer ein Teil ist, der den Sprecher in ein gutes Licht setzen soll (meist eh unbewusst), und das eh bei so ziemlich allen Menschen so ist, dann kann ich damit leben.
Wenn man es weiss, dann lässt man sich doch nicht mehr so leicht davon täuschen, oder?
Und wie gesagt, die Art von Menschen, bei denen dieses Bedürfnis, gut dazustehen, überwiegt, die durchschaut man sowieso meistens recht schnell.
lg Unique
: Auserwählte(r) :

Anmeldungsdatum: 19.12.2001
Beiträge: 3367
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Beiträge: 3367
Titel:
Also zunächst einmal ist verbale Kommunikation nur eine von vielen Kommunikationsarten. Das schöne daran ist einfach nur, man hat sich irgendwann mal darauf geeinigt, dass der Gegenstand "Tisch" mit einem Wort "Tisch" belegt wird, dass eben "Tisch" ausgesprochen wird.
Somit konnte man plötzlich vieles viel eindeutiger beschreiben und sich präziser äußern.
Aber genauso, wie man damals aufgrund von Körpersprache versucht hat, zu kommunizieren und zu manipulieren, so ist das mit der verbalen Kommunikation möglich Nur eben wiederum viel gezielter und besser.
Stellt Euch vor, die Demagogen des dritten Reichs wären nur auf die Körpersprache angewiesen gewesen. Hätten sie jemals solch einen verheerenden Schaden anrichten können? Nein, wohl nicht, aber Sprache ermöglich das.
Und weil Menschen von der Macht besessen sind, instrumentalisieren sie eben die Sprache und das oft unbewusst. Sie haben gar keine andere Wahl, da in jedem Kopf eine bestimmte Vorstellung bzw. Erwartungshaltung von Dingen und Sachverhalten exisitiert. Und damit die Dinge so geschehen, wie man es erwartet, bedient man sich der Sprache.
Ein wahres Machtinstrument wird Sprache aber erst dann, wenn man sie bewusst einsetzt und sie synchronisiert mit allen anderen Kommunikationskanälen wie eben Körpersprache etc. Dann steht der Manipulation Tür und Tor offen, denn dann kann der Gegenüber nicht mehr zwischen Täuschung und Realität unterscheiden.
Daran erkennt man übrigens auch eine Regel der Macht: Die unangenehmen Macht-Menschen leiden oft unter einer schlechten Synchronisierung der Kanäle - ihnen merkt man an, dass sie etwas im Schilde führen.
Gruß
cmk12
Somit konnte man plötzlich vieles viel eindeutiger beschreiben und sich präziser äußern.
Aber genauso, wie man damals aufgrund von Körpersprache versucht hat, zu kommunizieren und zu manipulieren, so ist das mit der verbalen Kommunikation möglich Nur eben wiederum viel gezielter und besser.
Stellt Euch vor, die Demagogen des dritten Reichs wären nur auf die Körpersprache angewiesen gewesen. Hätten sie jemals solch einen verheerenden Schaden anrichten können? Nein, wohl nicht, aber Sprache ermöglich das.
Und weil Menschen von der Macht besessen sind, instrumentalisieren sie eben die Sprache und das oft unbewusst. Sie haben gar keine andere Wahl, da in jedem Kopf eine bestimmte Vorstellung bzw. Erwartungshaltung von Dingen und Sachverhalten exisitiert. Und damit die Dinge so geschehen, wie man es erwartet, bedient man sich der Sprache.
Ein wahres Machtinstrument wird Sprache aber erst dann, wenn man sie bewusst einsetzt und sie synchronisiert mit allen anderen Kommunikationskanälen wie eben Körpersprache etc. Dann steht der Manipulation Tür und Tor offen, denn dann kann der Gegenüber nicht mehr zwischen Täuschung und Realität unterscheiden.
Daran erkennt man übrigens auch eine Regel der Macht: Die unangenehmen Macht-Menschen leiden oft unter einer schlechten Synchronisierung der Kanäle - ihnen merkt man an, dass sie etwas im Schilde führen.
Gruß
cmk12
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