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Verfasst am: 26.12.2004, 16:14
: Crewmitglied :

Anmeldungsdatum: 06.11.2003
Wohnort: Z-10-N
Beiträge: 1316
Titel:

[Reale Welt - Nec - Cockpit - Floyd]

Floyd drehte an dem Verriegelungsrad der Cockpitluke. Es klemmte etwas, ein Tatbestand, der auf Hovercrafts nicht oft vorzufinden war, denn die Türen und Luken mussten sich schnell und jederzeit leichtgängig öffnen lassen, da immer mit einem Wächterangriff zu rechnen war. Alle Räume mussten im Notfall schnell verlassen werden können.
Offenbar hatte sich bei dem kleinen Absturz, der auch ein trauriges Menschenleben gefordert hatte, die Öffnung verzogen und so schloss der Riegel nicht mehr reibungsfrei im Schaft.
mit etwas Gewalt öffnete er die Luke und kletterte in das kleine Cockpit. Es bot gerade mal Platz für zwei Rebellen und man konnte kaum aufrecht stehen. Trotz dieser enormen Platzsparsamkeit sah alles fast so aus, wie auf der Alucard. Es waren nahezu komplett die selben Instrumente verwendet worden, alles an einem einheitlichen Platz, alles in einheitlicher Präzision, aber ebenso war alles ebenso verschmutzt wie auf der Alucard.


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Vorsichtig ließ er sich auf dem Pilotensessel nieder und aktivierte die Stromversorgung für die Konsolen. Es geschah gar nix, Floyd versuchte es ein zweites Mal.

So ein verdammter Müllhaufen!
Ärgerlich lief er seine Faust ein drittes Mal auf den Powerschalter sausen, und tatsächlich, die Statusanzeigen begannen zu blinken. Es dauerte nur wenige Sekunden mehr, dann erleuchtete das Cockpit in einem angenehmen grün-bläulichen Schein der Kontrollleuchten und Anzeigen.

Zufrieden versuchte er von hier aus die Motoren zu aktivieren, die auf Anhieb ansprangen und das Schiff in ein angenehmes Vibrieren versetzten.

Schön, schön. So kann das weitergehen. Ein Blick auf die Wächteranzeige. Nichts. Prima!

Er griff zum Interkom, stellte es auf Funkbetrieb und versuchte die Alucard zu erreichen.

"Alucard bitte kommen! Alucrad, könnt ihr mich hören?"

Nichts als das weiße Rauschen drang aus den Lautsprechern. Er versuchte es noch einmal.

"Alucard?! Empfängt mich da drüben jemand?!"

[Reale Welt - Nec - Cockpit - Floyd]
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Verfasst am: 26.12.2004, 21:54
: Orakel-Schüler(in) :

Anmeldungsdatum: 06.11.2003
Wohnort: Berlin
Beiträge: 1794
Titel:

[Reale Welt - Necessitas - Floyd, Cassie, Quan, Kiawa]

Es hatte länger gedauert, als Kiawa es sich gewünscht hatte. Doch nach ca. einer dreiviertel Stunde kamen die drei Rebellen endlich bei der Necessitas an.
Eric, den Operator der Alucard hatten sie auf halbem Weg getroffen, Kiawa war sich sicher, dass er inzwischen auch wieder auf seinem Schiff angelangt war.
Kiawa stöhnte, nicht weit von der Alucard entfernt, war sie von einem nassen, kleinen Felsen abgerutscht und obwohl Cassie sogleich neben ihr war, um sie zu stützen, konnte auch diese nicht verhindern, dass Kiawa mit ihrer verletzten Schulter gegen einen hervorstehenden Stahlträger stieß. Kiawa hatte sich auf die Zunge beißen müssen, um nicht laut aufzuschreien vor Schmerz. Inzwischen war dieser Schmerz zu einem dumpfen Pochen abgeklungen und Kiawa vermied es, Cassie zu sagen, dass sie ihren Arm kaum noch spürte. Nur ein leises Kribbeln in den Fingerspitzen verriet ihr, dass er noch da war.
Doch nun hatten sie es geschafft. Floyd hatte sie kommen sehen und so stand die Rampe der Nec schon offen, als sie sich ihr näherten.
Erleichtert betrat Kiawa ihr Schiff, gefolgt von ihren zwei Crewmitgliedern, die nicht minder froh darüber waren, wieder den schützenden Stahl des Hovercrafts um sich zu haben.

„Willkommen an Bord, Captain!“ begrüßte Floyd Kiawa freundlich. „Ihr Schiff ist wieder flugtauglich, wir können augenblicklich starten, wenn sie das möchten.“
„Vielen Dank Floyd! Ja, das möchte ich. Ich möchte so schnell wie möglich nach Zion zurück.“
Sie wandte sich an Cassie:
PC, funk die Alucard an, dass wir startklar sind. Sie soll auf uns warten, wir werden ihr bis nach Zion hinterher fliegen.“
Cassie nickte und ging ohne zu zögern an ihren Operatorplatz.
Floyd, wir gehen ins Cockpit. Du kennst ja den Weg…“. Kiawa fiel es noch immer schwer, ihren Platz auf dem Pilotensessel an Floyd abzugeben. Doch sie gab sich alle Mühe, ihm zu zeigen, dass sie ihm vertraute. Mit einem leisen Seufzen folgte sie ihm ins Cockpit.

[Reale Welt – Necessitas – Cockpit – Floyd, Kiawa]

Kiawa ließ sich schwerfällig auf den Co-Pilotensessel fallen. Erst jetzt merkte sie, wie müde ihre Knochen und wie erschöpft ihr ganzer Körper war. Eventuell hatte sie sich doch zu viel zugemutet und nun war sie froh darüber, dass sie ihr Schiff nicht mehr lenken brauchte. Doch das würde sie Lazarus niemals sagen.

„Captain, die Alucard hat bestätigt. Sie wartet auf uns und wird uns an die Hand nehmen.“
„Danke PC, dann kann’s ja losgehen … Floyd, starte die Motoren!“

„Ja Sir!“ die Worte kamen wie selbstverständlich über Floyds Lippen und im selben Moment, da er sie ausgesprochen hatte, war er sich seines kleinen Fehlers schon bewusst. Schuldbewusst sah er zu Kiawa herüber, die ihn ihrerseits mit gerunzelter Stirn anblickte.
„Ähm … Captain, meinte ich.“ Er grinste sie an und seine Wangen färbten sich zart rosa.
„Schon gut - Pilot!“ Kiawa zwinkerte ihm zu. „Nun bring uns nach Hause!“

Floyd zündete die Triebwerke und ruckelnd und ächzend erhob sich die Nec in die kalte und von Nebel durchzogene Luft der Kanäle.
Lazarus hatte nicht gelogen, Floyd war wirklich ein guter Pilot. Kiawa wusste, wie schwer es war, ein stark beschädigtes Schiff zu steuern und Floyd hielt das Hoverkraft verhältnismäßig ruhig und lenkte es sicher durch die engen Rohre.
So dauerte es nicht lange, bis sie die Lichter der Alucard sahen und hörten, wie auch die Triebwerke des großen Schiffs gezündet wurden.

[Reale Welt - Necessitas - Cockpit - Floyd, Kiawa]
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Verfasst am: 30.12.2004, 12:14
: Orakel-Schüler(in) :

Anmeldungsdatum: 06.11.2003
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Titel:

[Reale Welt - ZION - Necessitas - Cassie, Mechaniker]

Endlich wieder in Zion Cassie erinnerte sich, wie sehr sie es nicht erwarten konnte die Gesteinsblase, diese sichere Festung zu verlassen. Das Leben pulste damals durch ihre Adern. Wie viel hat sich seit dem verändert!? Zion kam ihr damals unendlich langweilig vor. Der Trott wurde nur unterbrochen, wenn die Crews heimkehrten. Nun war sie selbst ein Teil dieser Crews und stand hier und unterhielt sich mit Mechanikern über Dinge, von denen sie vor einem Jahr noch keine Ahnung hatte. Wie durch Watte hörte sie sich selbst mit ihnen reden, während ihre Gedanken bei all den Menschen waren, die sie in diesem Jahr verloren hatte. Nein, korrigierte sie sich selbst All den Menschen, die wir verloren haben.

Das Gespräch mit den Mechanikern war beendet. Cassie verlies die Nec jedoch nicht. Sie ging in ihre Kammer und hörte den Mechanikern beim Arbeiten zu. Es hatte etwas beruhigendes. Sie setzte sich an die Konsole und fertigte den Bericht für Kiawa an.
Als er fertig war, ging sie nochmals die Details durch und durchschritt die Nec um zu überprüfen ob sie irgendetwas vergessen haben könnte. An ihrem Operator-Pult musste sie kurz lachen. Ihr gefiel der Scherz mit Lazarus immer noch gut. Sie hielt inne, denn es kam doch der Gedanke an Spooky dazwischen. Ihre Laune schlug augenblicklich um. Sie wischte sich die Träne aus dem Augenwinkel und hielt sich für ein paar Minuten die Ohren zu. Die Geräusche schienen plötzlich unerträglich laut.

Den Bericht sandte sie an Kiawas Interface. Cassie wollte die Nec nicht verlassen. Sie war ihr zuhause geworden.
Die Handwerker schienen einen Pause zu machen. Sie benutzten dafür die Kantine der Nec.
Cassie warf nur einen kleinen Blick hinein. Sie schienen überrascht eine Frau an Bord zu sehen und versuchten so charmant wie möglich zu sein. Cassie rang sich ein lächeln ab, sie war müde und ihre innere Unruhe hielt sie gegen ihren Willen wach.

In der Kabine legte sie sich ihr Bett und zwang sich zur Ruhe. Spooky - da war er wieder. In ihren Gedanken erlebte Cassie das, was ihnen beiden verwehrt wurde. Der Traum gaukelte ihr Erinnerungen von Ereignissen vor, die es so nie gegeben hat. Ein Abend in der Taverne, in der sie sich neckten und flirteten, keiner den Anderen auch nur in der Andeutung der Sicherheit wiegen lassen, ihn jetzt für sich gewonnen zu haben.
Seine Finger spielten mit ihren und noch mehr als dieses Spiel verrieten die Augen.... die Augen, die sie so leer anstarrten als sich nach der Buchlandung vom Schein der Taschenlampe aufgefangen wurden.
Die Hornhaut aus seinen Fingerspitzen rieb sanft an der Haut ihrer Schulter. Cassie konnte, so wie sie in der Kabine lag selbst kaum erfassen was sie sich erträumte. Sie riss sich aus diesem Traum. Doch die Wirkung des Schlafes setzte bereits ein. Sie war zu müde um aufzustehen und fiel wieder zurück in ihr Kissen. Zurück in den Traum mit Spooky. Vielleicht, dachte sie, muss ich es träumen um mich davon loszusagen. Und so ergab sie sich selbst und träumte endlich von dem, das nie geschah. Ihre Finger durchwühlten sein Haar und die trockenen Lippen beider berührten sich kurz. Sie ging mit dem Kopf ein wenig zurück und befeuchtete ihre Unterlippe mit ihrer Zunge. Es schien ihm zu gefallen. Sein Blick war ernst, denn in Cassies Vorstellung war es ihm ernst mit ihr. Seine Augenwinkel umspielte ein Lächeln. Er umfasste ihren Kopf und zog sie zu sich heran. Spooky nahm sich von Cassie an diesem Abend was er wollte und sie gab es ihm gern.
Endlich... Endlich schlief Cassie ein.

Als sie wieder erwachte, hätte sie schwören können, dass es ein traumloser Schlaf war. Aber in ihr hatte sich etwas gelöst, das spürte sie. Sie hörte in das Schiff hinein. Die Handwerker arbeiteten nicht. Es schien Nacht zu sein in Zion. Cassie lies sich wieder in ihr Bett zurück sinken und schlief weiter.

[Reale Welt - ZION - Necessitas - Cassie]
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Verfasst am: 12.01.2005, 14:45
: Orakel-Schüler(in) :

Anmeldungsdatum: 06.11.2003
Wohnort: Zamonien
Beiträge: 1931
Titel:

[Reale Welt- Zion -Nec- Cassie]

Als Cassie wieder erwachte, merkte sie einen dumpfen Druck in ihrem Kopf. Verspannungen machten sich vom Nacken über ihre Schulter breit. Ein Spiegel verriet ihr, dass sie sich in den Schlaf geweint hat. Die Augen waren rot umrandet.
Sie Atmete zwei mal tief durch und entsann sich der Atemtechnik aus dem Tempel. Ihre Augen brauchte sie nicht zu öffnen, denn die Wege in der Nec kannte sie. Also schloss sie sie wieder und setzte die Atemübung fort. Je mehr sie sich darin vertiefte um so weiter entfernten sich die Gedanken an Spooky. Vor ihrem Inneren Auge sah sie die Gänge der Nec deutlich vor sich. Sie Zog ihre Schuhe aus, denn jetzt wollte sie wirklich wissen, was noch von der Priesterin in ihr steckte.
Das Metall den Fußbodens fühlte sich kalt und schmerzhaft an. Sie machte die ersten Schritte. Ihre Hände neigten dazu die Umgebung zu ertasten, aber sie rief sich wieder zur Ordnung, blieb noch einmal stehen, atmete und ging dann zu ihrem Operatorplatz.
Eine kindliche Freude kam in ihr auf. Sie hatte sich selbst nicht mehr zugetraut diese Fähigkeiten zu besitzen. Aber sie waren definitiv vorhanden.
Cassie blickte auf den Monitor. Er spiegelte ihr Gesicht wieder. Mit flinken Handgriffen startete sie die Systeme neu und das gewohnte Bild der Matrix tauchte wie aus einem tiefen Ozean auf dem Bildschirm auf.
Ob es nun Langeweile war oder Spaß, vermochte sie später nicht mehr zu sagen. Aber ihr war danach ihren Vorstellungen freien lauf zu lassen. Ihre Finger glitten über die Tastatur und ließen im Konstrukt ein Lodge entstehen.

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Der Weg bis zum Wasser war nicht weit.

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Draußen im Meer war mit bloßem Auge die Riffkante zu erkennen. Die Wellen brachen sich an ihr und unter der Wasseroberfläche öffnete sich dem Auge des Betrachters eine neue, eine andere Welt.

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Cassie versank in ihrer Vision und setzte aus immer mehr Matrixcodes ein neues Bild zusammen. Die Beine zog sie unbewußt immer höher. Es war kalt an den Füßen, doch das merkte sie nicht recht. Sie erträumte sich ein Paradies und hörte nicht, wie Kiawa an sie herangetreten war.
Erst bei den Worten "Wie geht es Dir." unterbrach Cassie ihre Beschäftigung. Kiawa stand hinter ihr.
Cassie sah auf den Bildschirm und verfolgte die Codes. Es sah ganz nett aus, was sie da zusammengeschrieben hatte und zu gleich wußte sie Diese Landschaft mag schön aussehen, aber um sie als echt zu empfinden, so sah es Cassie, brauchte sie ihre Makel.
"Es geht so" antwortete Cassie über ihre Schulter.


[Reale Welt- Zion -Nec- Cassie, Kiawa]
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Verfasst am: 16.01.2005, 22:09
: Orakel-Schüler(in) :

Anmeldungsdatum: 06.11.2003
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Titel:

[Reale Welt - Zion - Necessitas - Hauptdeck - Cassie, Kiawa]

„Es geht so.“ Cassies belegte Stimme und der traurige Tonfall, straften ihre eigenen Worte Lüge. Es ging ihr ganz und gar nicht gut und das war nur zu verständlich. Doch Kiawa wollte nicht weiter in ihre Freundin eindringen, offenbar brauchte Cassie erstmal ein wenig Abstand von allem, um irgendwann über das Erlebte reden und es verarbeiten zu können. Deshalb sagte Kiawa nur:
„Bitte rede mit mir darüber, wenn du so weit bist, Cassie. Ich bin jeder Zeit für dich da.“
Cassie griff nach Kiawas Hand:
„Ich weiß …“, antwortete sie. „Ich weiß.“
Für einen Augenblick schwiegen die beiden Frauen. Jede von ihnen genoss die Anwesenheit der anderen und die tiefe Verbundenheit zwischen ihnen, füllte ihre Herzen mit Wärme und Zufriedenheit.

„Na gut Cassie. Bitte schick mich ins Konstrukt. Quan wird hoffentlich bald hier sein und ich möchte dort auf ihn warten. Schick ihn sofort hinterher, sobald er da ist.“
„Mach ich“
, sagte Cassie und folgte Kiawa zu einem der Stühle, auf dem diese schon Platz genommen hatte. Sie steckte ihrem Captain den Stecker in den Nacken und wenige Sekunden später fand Kiawa sich im endlosen Weiß des Konstrukts wieder.

[Konstrukt - Kiawa]

Sie hörte Cassies Stimme:

„Was darf`s denn sein? Bahnhofshalle, leerer Parkplatz oder ein schöner Friedhof?“
„Wie wäre es mit dem, was du eben grad entworfen hast?“
fragte Kiawa zurück.
„Gute Wahl, Captain!“

Das gleißende Weiß verschwand. Nach und nach, baute sich Bit für Bit eine fiktive Welt um Kiawa auf, die nichts weiter war, als eine Aneinanderreihung von Nullen und Einsen.
Kiawa fühlte weichen Sand unter ihren nackten Füßen. Er war warm und rieselte fein durch ihre Zehen. Ein leichter Wind streichelte sacht ihre Haut und brachte den salzigen Duft der Wellen zu ihr. Direkt vor Kiawa, erstreckte sich türkis-blau und bis zum Horizont reichend das Meer. Das Rauschen des Wassers, wirkte beruhigend auf sie und Kiawa schloss für einen Moment die Augen. Auch wenn das alles hier, der Sand, der Wind und das Meer nicht real waren, so erzeugten sie doch reale Gefühle und Emotionen. Kiawa sog diese Flut an Reizen, die auf sie einströmte ein, wie ein Verdurstender in der Wüste, das Wasser.
Eine ganze Weile stand Kiawa schweigend da, ehe sie ihre Augen wieder öffnete und zum ersten Mal, seit sie hier war, an sich herunter sah.
Sie musste sofort lachen und konnte es im ersten Moment nicht glauben. Cassie hatte sie Tatsache in nichts weiter, als einen Bikini gekleidet. Er war weiß, an seiner Hose waren schmale Gürtelschnallen genäht und ein ebenfalls weißer Gürtel hielt an Kiawas rechter Hüftseite eine Messerscheide, aus der der schwarze Griff ihres Wurfmessers, das sie in der Computerwelt immer bei sich trug, hervorguckte.
Ein Glitzern lag in Kiawas Augen, auf ihrer Unterlippe kauend stand sie für einen kurzen Augenblick zögernd da. Doch dann warf sie das Bewusstsein der Unwirklichkeit mit einem Schulterzucken hinter sich und warf sich mit zwei schnellen Schritten in die Wellen.
Das kalte Wasser umspülte ihren Körper und sie spürte ein Kribbeln auf der Haut, wie tausende Stecknadeln. Das Meer trug sie und mit einigen kräftigen Stößen tauchte sie in dessen Tiefe und genoss die schwerelose Freiheit, die sie hier umgab.
Kiawa wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als sie etwas außer Atem wieder an Land zurück schwamm. Doch sie hatte sich wohl doch länger in den Wellen aufgehalten, als ihr bewusst war, denn am Strand stand Quan und wartete auf sie.
Etwas verlegen ging sie ihm entgegen. Wasser perlte von ihrer Haut ab und aus ihren nassen Haaren, ergossen sich kleine Rinnsale über ihre Schultern und ihren Rücken.

[Konstrukt - Quan, Kiawa]

PC sagte, du erwartest mich hier. Aber wenn du noch etwas Zeit brauchst … ich meine, ich kann auch später …“, Quan schien die Situation genauso verwirrend zu finden, wie Kiawa selbst. Doch sie hatte sich schon längst wieder gefangen und sah ihr neues Crewmitglied ernst an:
„Nein, schon gut. Es ist Zeit, dass wir mit deinem Training anfangen. Ich möchte Zion so bald wieder verlassen und du solltest nicht noch einmal unvorbereitet in die Welt dort draußen gehen.“
Kiawa griff nach ihren Haaren, drehte sie zusammen und wrang das Wasser aus ihnen heraus.
„Ich hab dir schon einiges über die Matrix erzählt. Du weißt Bescheid, über Agenten und das System. Nun ist es an der Zeit, deine Verteidigung zu stärken und auch deine Offensive müssen wir ausbauen.
Greif mich an!“


Kiawa hatte sich in ihre Ausgangsposition gestellt und wartete auf Quans Angriff. Das theoretische Wissen über viele Kampfsportarten hatte er, ebenso wie das Wissen über die Grenzen der Scheinwelt und wie man sie brechen konnte. Nun ging es darum, diese theoretischen Kenntnisse in die Praxis umzusetzen.
Quan wirkte etwas unsicher, doch entschlossen. Auch er begab sich in seine Ausgangsposition und für einige Sekunden taxierten sich die beiden Gegner. Dann griff Quan an. Seine Arme schnellten nach vorne um Kiawa einige schnelle Schläge zu versetzen, doch diese wehrte sie mühelos ab. Für den Anfang ging sie nicht in den Gegenangriff über. Sie wollte Quan die Chance geben, ihre Verteidigung zu durchbrechen. Doch dem jungen Rebellen bot sich kaum eine Möglichkeit, dies zu erreichen.
Plötzlich und für Quan vollkommen unerwartet, änderte Kiawa ihre Taktik und ging in die Offensive. Mit einem kurzen Griff und einem schnellen Tritt, warf sie ihren Lehrling über die Schulter und sein schwerer Körper fiel unsanft in den weichen Sand.
Quan keuchte und rang nach Luft. Er sah zu Kiawa auf:
„Wie hast du das gemacht?“
„Ich habe dir schon einmal gesagt, das alles hier ist nicht echt. Die Grenzen der realen Welt sind hier nicht gegeben, du kannst sie brechen und mit ihnen spielen. Wenn du es wolltest, könntest du das Meer hier hinter dir teilen oder wie Jesus über die Wellen laufen. Befreie deinen Geist, Quan und löse dich von dem, was gegeben ist. Versuch es noch einmal, greif mich an!“

Ruckartig erhob Quan sich und Kiawa sah deutlich, wie er versuchte, loszulassen. Er schloss kurz die Augen, ehe er sich wieder in seine Kampfposition begab. Kiawa wartete schon auf ihn.
Wenn Quan auch in seinem jetzigem Stadium, nicht wirklich ein ernst zu nehmender Gegner für Kiawa war, so fiel es ihr nun doch schwerer, seine Angriffe abzuwehren, als am Anfang.
Quan gewann an Sicherheit und er wurde mutiger und kreativer. Er hielt sich nicht mehr streng an die vorgegebenen Kampfmuster, sonder experimentierte mit seinen Bewegungen und seiner Umgebung. Allmählich wurde er schneller und auch wenn Kiawa ihn immer wieder zu Boden warf und er viele Schläge und Tritte von ihr in Kauf nehmen musste, so gab er sich dennoch nicht geschlagen und plötzlich gelang es ihm, Kiawas Verteidigung zu durchbrechen und mit einem sauberen Schlag, traf er krachend ihren Kiefer und sie taumelte mit schmerzverzerrtem Gesicht zurück.
„Stopp!“ rief sie, hielt ihm abweisend eine Hand entgegen und rieb sich mit der anderen das Kinn.
Quan sah sie etwas schuldbewusst an und auch er atmete schwer und rieb sich einige Stellen, seines geschundenen Körpers.
„Sehr gut, Quan. Du hast es kapiert … Mach dir keine Sorgen um mich“, sagte sie, als sie seinen Blick sah. „Du hast um einiges mehr abbekommen und glaub mir, das wirst du selbst in der Realität spüren.“ Sie zwinkerte ihm zu.
„Gut, das reicht für heute. Cassie hol uns raus.“

[Reale Welt – Zion – Necessitas – Hauptdeck – Cassie, Quan, Kiawa]

Als Kiawa auf ihrem Stuhl die Augen öffnete, war von ihrem geprellten Unterkiefer nichts mehr zu spüren. Sie wandte sich nach rechts, wo Cassie Quan gerade in die Wirklichkeit zurückgeholt hatte. Er wollte aufstehen und während er sich erhob, stöhnte er schmervoll auf.
Kiawa lachte: „Ich hab’s dir doch gesagt.“ Sie selber schwang sich munter aus ihrem Stuhl und ging dann zu Cassie herüber:
Cassie, ich geh jetzt zum Senator und bin dann anschließend in meiner Höhle. Alles klar?“
Cassie nickte: „Alles klar Captain.“
„Gut … Quan, ruh dich etwas aus. In Zukunft kannst du auch allein im Konstrukt trainieren. Die programmierten Gegner sind auch nicht ohne, vor allem, wenn sie von PC sind.“
„Ja Captain …“
, sagte er und massierte sich die linke Schulter.

Kiawa kehrte ihrer Crew mit einem Lächeln auf den Lippen den Rücken und verließ das Hauptdeck und die Necessitas.

[Reale Welt – Zion – Kiawa]
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Verfasst am: 02.04.2005, 20:16
: Orakel-Schüler(in) :

Anmeldungsdatum: 06.11.2003
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[Reale Welt - Zion - Necessitas - Cockpit - Quan, Kiawa]

Kiawa brauchte einen Moment, bis ihre Augen sich wieder an die Dunkelheit der Tunnel gewöhnt hatten. Die Scheinwerfer der Necessitas erleuchteten zwar einige Meter Weg vor ihnen, doch ansonsten umhüllte vollkommene Schwärze das kleine Rebellenschiff.
Kiawa flog ruhig und in gemäßigtem Tempo, nun hatte sie es nicht mehr eilig. Zion lag bereits ein, zwei Stunden hinter ihr und bis sie zur Stadt der Menschen zurückkehren würde, würden Tage, wenn nicht sogar Wochen vergehen.

Sie wandte ihren Kopf und blickte kurz zu Quan. Seine Augen waren weit geöffnet, Staunen, Neugierde und ein Stück Bewunderung lag in ihnen. Kiawa vergaß immer wieder, wie beeindruckend die reale Welt für die Menschen war, die sie gerade erst kennen lernten.

„Hast du in Zion ein bisschen trainieren können?“ fragte Kiawa.
Quan nickte: “Ja Captain, ich hab das Rebellentraining absolviert und auch einige Kampfsportarten gelernt.“ Er lächelte ihr entgegen.
„Hört sich gut an, wir werden sehen, wie gut du wirklich bist. Wenn wir einen sicheren Landeplatz und die Zeit dazu finden, werde ich dich prüfen.“
Kiawa zwinkerte ihm zu. Quan war sich Kiawas Stärke nicht bewusst, woher auch und so sah er sie, von seinem eigenen Können absolut überzeugt, etwas besorgt an. Kiawa lachte auf:
„Keine Sorge Quan, ich bin hart im nehmen. Du wirst mir nicht schaden, oh nein, das wirst du nicht …“, immer noch lachend schüttelte sie den Kopf und Quans Besorgnis um sie, wandelte sich in solche um sich selbst.

Kiawa aktivierte den Bordfunk:
Cassie, haben wir eine sichere Leitung zur Alucard, ich möchte Lazarus sprechen.“
„Eine Minute Captain …“
, antwortete Cassie sofort.
„Ja, hab hier eine Verbindung, soll ich die Alucard anfunken?“
„Ja, mach das …“
.
Ein leises Knirschen und Knistern folgte und dann hörte Kiawa wieder die Stimme ihres Operator:
„Alucard, bitte kommen, hier ist die Nec. Eric hörst du mich?“
Wieder raschelte es in der Leitung, dann:
„Laut und deutlich! Hallo PC, was kann ich für euch tun?“
„Hallo Eric, Captain Kiawa möchte Captain Lazarus sprechen.“
„Alles klar, ich stell sie ins Cockpit durch.“


Cassie wandte sich wieder an Kiawa:
„Captain, die Leitung steht, kann losgehen.“
„Danke Cassie …. Lazarus, hörst du mich?“
„Hallo Kiawa, ja ich höre dich. Schön, deine Stimme zu hören. Hoffe, dir geht’s gut?“
„Ja, bei uns ist alles in Ordnung. Lazarus, wir sollten uns treffen, ich glaube, es gibt einiges mehr zu besprechen, als es über Funk möglich ist.“


[Reale Welt – Zion – Necessitas – Cockpit – Quan, Kiawa]
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Verfasst am: 17.04.2005, 16:54
: Orakel-Schüler(in) :

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[Reale Welt - Tunnel - Necessitas - Cockpit - Kiawa, Quan]

„Ok Lazarus, wir sehen uns in der Matrix“

Ein leises Klicken beendete den Funk und Kiawa wandte sich wieder an Cassie:

Cassie, wir brauchen einen guten Landeplatz, klein, versteckt und unauffindbar – alles klar?“
Ein hohles Lachen drang durch die Leitung:
„Captain, ich kann nicht zaubern – unauffindbar – guter Scherz.“
Auch Kiawas Lippen verzogen sich zu einem Grinsen:
„Du wirst schon was Geeignetes finden, meine Gute!“
„Na sicher … wie immer.“

Cassie hatte in sarkastischem Ton gesprochen, doch Kiawa sah keine Notwendigkeit mehr, noch einmal etwas zu erwidern. Ihre letzten Worte an ihre Freundin, hatten nicht der Aufmunterung gedient. Sie waren vielmehr eine Feststellung, eine Erwartung, die ihr Operator bisher immer erfüllt hatte. Kiawa drehte den Kopf ein wenig zur Seite und blickte wieder zu Quan:

„Glaubst du, du bist schon so weit, wieder zurück zu gehen?“
Die Frage war aufrichtig gemeint und keinerlei Unterton schwang in ihr mit. Quan überlegte einen Moment, dann nickte er langsam:
„Ja, ich glaube, ich schaff das. Ich habe in Zion genug Zeit zum Nachdenken gehabt. Ich habe bisher in einem Traum gelebt und du und deine Crew ihr habt mich wach gerüttelt. Dafür bin ich dir sehr dankbar, Kiawa.“
Er sah sie an. Er lächelte nicht, seine schwarzen Augen blickten ernst und ohne jede Angst seinem Gegenüber entgegen. Kiawa glaubte ihm und was noch viel wichtiger war, sie vertraute ihm auch.
„Gut“, sagte sie. „Sobald Cassie einen sicheren Landeplatz gefunden hat, werde ich mich bei Captain Lazarus über den Stand der Planungen für unser Treffen erkundigen. Könnte sein, dass wir noch heute in die Matrix gehen.“
„Alles klar Captain.“


Während des restlichen Fluges redeten Quan und Kiawa kein Wort mehr miteinander. Das Schweigen, das zwischen ihnen herrschte, war angenehm und nicht im Geringsten drückend oder peinlich. Hier saßen zwei Menschen, die sich freiwillig für den Dienst in einem Krieg entschieden hatten. Sie wussten beide ganz genau, was sie wollten und obwohl die Seiten des Kampfes unausgeglichen waren, hatten sie doch keine Angst. Quan genauso wenig wie Kiawa. Sie waren sich einig, trotz der kurzen Zeit, die sie sich nun kannten und sie würden beide für den anderen ihr Leben geben, dessen waren sie sich sicher. Ohne es laut ausgesprochen zu haben, hatten sie ein Abkommen getroffen und dieses Abkommen verband sie, von Anfang an.

„Captain, ich hab was gefunden. Ich schick dir die Koordinaten rüber.“
Cassies Stimme durch den Bordfunk unterbrach das Schweigen. Kiawa lächelte und sah auf ihr Navigationssystem, auf dessen Bildschirm in diesem Moment ein Kartenausschnitt der Tunnelanlagen erschien.
„Siehst du diese kleine Bucht etwa zwanzig Meter nord-östlich vor uns? Das muss ein alter Versorgungstank für Frischwasser sein. Er ist offen, wahrscheinlich durch eine Explosion aufgerissen, vermute ich mal. Darin haben wir gerade so Platz. Ist das sicher genug für dich Captain?“
„Ich denke schon, PC, gute Arbeit. Anscheinend kannst du doch zaubern.“
„Ja, na klar …“
, Cassie lachte.

Kiawa lenkte die Necessitas in nord-östliche Richtung und es dauerte nicht lange, bis die Scheinwerfer ihres kleinen Schiffes die Bucht erfassten, die einmal ein riesiger Wassertank einer Weltmetropole war.
Seine rostigen Stahlwände leuchteten wie alte Glut im Scheinwerferlicht und erschufen so auf groteske Weise eine warme Stimmung.
Hie und da hatte der Rost bereits Löcher in die Hülle gefressen, doch im Großen und Ganzen war der Tank gut erhalten und bot so den geeigneten Landeplatz und Unterschlupf für die Necessitas.
Kiawa verlangsamte das Tempo des Schiffes erheblich und tastete sich vorsichtig an die Öffnung des Tanks heran. Das große Loch, das darin prangte, hatte scharfe und unebene Kanten. Es glich dem weit aufgerissenen Maul einer schrecklichen Bestie mit Fangzähnen von unterschiedlichster Größe und Form.
Kiawa achtete genau darauf, nicht in Kontakt mit diesen Fangzähnen zu kommen. Sie hatte keine Ahnung, wie stabil sie waren und sie wollte nicht das Risiko eingehen, dass sie sich in die Außenhülle der Nec gruben und Risse hinterließen.
Doch nichts dergleichen geschah. Pilotin und Schiff bildeten eine Einheit und das Hovercraft glitt ohne Schwierigkeit in die Bucht und kam, gleich einer Wölfin, die sich in ihre Höhle zurückzieht, geräuscharm zum Stehen.
Kiawa schaltete die Motoren ab und fuhr die Systeme auf ein Minimum herunter. Mit einem erleichterten Seufzen löste sie ihren Gurt:

„So, da wären wir. Ich glaube, wir haben alle eine Pause verdient. Quan, wenn du möchtest kannst du dich ein wenig ausruhen. Wir sehen uns dann spätestens in einer Stunde auf dem Hauptdeck.
Ich erkundige mich jetzt bei Lazarus, wie weit seine Planungen sind. Ich sage dir Bescheid, wenn wir so weit sind und rein gehen. Ansonsten werden wir die Zeit nach der Pause zum trainieren nutzen. Alles klar?“


Quan nickte:
„Alles klar, Captain.“ Er gähnte herzhaft, schnallte sich dann ebenfalls ab, erhob sich und verließ dann mit schwerem Gang das Cockpit.
Kiawa tat es ihm einige Minuten später gleich.

[Reale Welt – Hauptdeck – Cassie, Kiawa]

Cassie, ich möchte eine abhörsichere Leitung zur Alucard.“ sagte Kiawa, während sie das Hauptdeck über die kleine Leiter betrat.
Cassies Finger huschten bereits über ihre Tastatur und wenige Sekunden später stand die Leitung:

„Hier ist Captain Kiawa von der Necessitas – Alucard bitte kommen!“
„Hier Alucard – Eric, was kann ich für sie tun, Captain?“
„Hallo Eric, ich möchte wissen, wie weit eure Planungen sind. Ist der Captain zu sprechen?“


Kiawa hielt inne. Sie war sich nicht sicher, doch glaubte sie, leise Geräusche gehört zu haben, die anscheinend von unten, aus dem Maschinenraum kamen.
Sie runzelte die Stirn:

"Einen Augenblick Eric ...".
Sie wandte sich an ihren Operator:
"Hast du das auch gehört?"
Cassie schüttelte den Kopf: "Was meinst ...".
Kiawa unterbrach sie und legte ihren Zeigenfinger an die Lippen:
"Psst! Hör doch ...".
Cassie horchte und dann bemerkte sie es auch. Es waren Klopfgeräusche, so als würde jemand immer wieder gegen die Rohre des Schiffs schlagen.
"Ob das Quan ist?"
Kiawa schüttelte den Kopf:
"Das glaube ich nicht ... Cassie, geh mal und sieh nach. Das kommt mir ziemlich merkwürdig vor."
"Aye Captain."
Cassie verließ ihren Platz und Kiawa wendete sich wieder, mit noch immer gerunzelter Stirn an Eric.

[Reale Welt – Hauptdeck – Cassie, Kiawa]
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Verfasst am: 18.04.2005, 13:27
: Programm-Dealer(in) :

Anmeldungsdatum: 06.12.2003
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Titel:

[ Reale Welt –Tunnel – Necessitas – Maschinenraum – Elvea ]

Es gibt Momente im Leben , in denen man selbst kaum glaubt , was man gerade tut und
warum. Momente, in denen man am Scheideweg steht , und alles entweder so bleibt wie bisher , oder das Leben nimmt eine schicksalhafte Wendung .Schicksalhaft...das war wohl nicht das richtige Wort , ging es Elvea durch den Kopf .Lange schon hatte sie das Gefühl ,auf der Stelle zu treten .Sie tat das , was man von ihr erwartete , alles lief an ihr vorbei wie ein Film .Der Zeitpunkt war gekommen, um das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen . Sie sehnte sich danach , auszubrechen und etwas zu tun , das ihrem Leben Sinn gab .
Sie konnte doch nicht in Zion sitzen und warten , während Menschen wie Kiawa ihr Leben riskierten !
Dunkelheit um sie herum....die Gedanken überschlugen sich in ihrem Kopf....was hatte sie getan? Was für Folgen würde das alles für sie haben ? Kauerte sie wirklich im Maschinenraum der Nec ? Vorsichtig ertastete sie ihre Umgebung – kalte Rohre , Metallteile .
Wie im Trance war sie nach dem Gespräch mit Kiawa nicht etwa in ihr Quartier zurückgekehrt , sondern hatte sich hier versteckt .Noch bevor sie wieder einen klaren Gedanken fassen konnte ,war die Nec gestartet .Nun gab es kein Zurück mehr . War es Stunden her , das sie Zion verlassen hatten , oder gar Tage ?Elvea wußte es nicht . Sie hatte jegliches Zeitgefühl verloren . Sie spürte ihren Körper kaum noch , ihr war gleichzeitig heiß und kalt , sie war verzweifelt und gleichzeitig voller Erwartung . Sie erlaubte ihren Gedanken nicht , sich um ihren geliebten Vater zu drehen , denn sie zurückgelassen hatte...würde sie ihn je wiedersehen ? Sie wußte , das sich Ruven um ihm kümmern würde . Ruven , der so viel für sie riskiert hatte....Nun würde sie etwas für ihn tun . Und für die tapferen Menschen in Zion . Für den kleinen Dieb , der ihre Höhle Nachts heimlich besuchte ....jetzt würde sie alles tun , was sie konnte , um für ihre Freiheit , ihr Leben zu kämpfen .

[ Reale Welt – Tunnel – Necessitas – Maschinenraum – Elvea – Cassie ]

Ein plötzliches , metallisches Geräusch riß Elvea aus ihren Gedanken . Die Tür zum Maschinenraum öffnete sie langsam ! Ihre Kehle schnürte sich zusammen . Ihr Herz sprang ihr fast aus der Brust . Licht fiel durch den Türspalt , Elvea kniff die Augen zusammen und hielt die Luft an . Es wurde hell .Als sie die Augen wieder öffnete , sah sie eine zierliche Frau mit auffallend roten Haaren , die sie ungläubig ansah . Ein paar Sekunden vergingen , in denen beide wie erstarrt waren . Dann schien ihr Gegenüber die Fassung langsam wieder zu erlangen . „ Was....wer....wieso....?“ Stotterte die rothaarige . Dann rappelte sie sich auf und sagte : „ kommen sie mit .Das dürfte interessant werden . „

Elvea stolperte hinter Cassie durch die Nec , und sie wußte ,das sie sich nun Kiawa stellen mußte . Sie hoffte inständig , das sie ihr großes Vorbild nicht zu sehr enttäuscht hatte , und das Kiawa sie verstehen würde . Wenn das nicht der Fall sein sollte , wäre alles umsonst gewesen . Daran wollte sie nicht denken . Das durfte nicht passieren !

[ Reale Welt – Tunnel – Necessitas – Hauptdeck – Elvea – Cassie – Kiawa ]
Und dann war der unausweichliche Moment gekommen – sie betraten das Hauptdeck . Da war Kiawa . „Captain , wir haben einen blinden Passagier . „ Kiawa wirbelte herum – und schien ihren Augen nicht zu trauen . Sie sammelte sich jedoch schnell wieder , während Elvea versuchte möglichst entschlossen auszusehen . Sie würde für ihre Ziele kämpfen und nicht aufgeben . „Das wird ja langsam zur Gewohnheit mit ihnen ! "Kiawa schüttelte ungläubig den Kopf . „Was haben sie sich dabei gedacht? Oder nein , ich schätze mal , sie haben gar nicht nachgedacht!“
Elvea räusperte sich und wollte sich erklären , aber Kiawa war noch nicht fertig .

[ Reale-Welt - Tunnel - Necessitas - Hauptdeck - Elvea - Kiawa - Cassie ]
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Verfasst am: 18.04.2005, 20:59
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Anmeldungsdatum: 06.11.2003
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Titel: Ratten und andere Probleme

[Reale Welt - Tunnel - Hauptleitung 03/Wasserreservoir - Necessitas]

Das schmächtige Schiff der Rebellen hatte sich wie ein Wurm schutzsuchend in einem Loch vergraben, anscheinend sicher und unbeobachtet lag die Necessitas heruntergefahren auf das allernötigste Maschinenniveau auf dem rostigen Boden einer längst verlorenen Versorgungseinrichtung, die einmal tausenden von menschlichen Organismen mit lebenswichtigem Frischwasser versorgt hatte - eine Aufgabe die nun, abgesehen von einem verschwindend geringen Anteil an trotzhaften Freigeistern, die Kraftwerksanlagen der Maschinen für die primitive menschliche Rasse übernahm.

In Zion galt es immerzu mit dem kostbaren Nass sparsam umzugehen und es nicht irreversibel zu verunreinigen, da die alten, stets arbeitenden Wasseraufbereitungsanlagen auch in der letzten Hoffnungsstadt keine Wunder vollbringen konnten.

Eingelagert in ihren warmen, mit einer wärmedemmenden, hautfreundlich-mineralisierten Schutzschicht gefüllten PODs, erging es den Menschen, die an die Muttersimulation, dem Hauptprogramm, angeschlossen waren, zumindest rein biologisch betrachtet unweigerlich besser als den Individuen, die in der harten Realität ohne Zukunft ihr angeblich freies Leben fristeten.

Ohne Zweifel hatte der Planet Erde eine neue dominante Führungsrasse, und es war ganz sicher nicht mehr die, von einem primitiven Klettersäugetier abstammende menschliche Abart. In Stärke und Effizienz, Logik und System waren die hochintelligenten Maschinen ihren einstigen Kreateuren weit überlegen und so war es nur noch eine Frage der Zeit, die letzten Minuten eines ablaufenden Countdowns, bis auch der letzte freisinnige Narr die unvermeidliche und letztendliche Schlussfolgerung der Unterwerfung gegenüber Höhergestelltem bereit sein würde, einzugestehen.

Die Maschinen hatten mit der Erschließung fast aller Mainstreams und somit der grundlegenden Überwachung des gesamten Tunnelsystems bis auf wenige Ausnahmen, pragmatisch Fortschritte erziehlt. Ein tumber Rebell würde diese späte Erkenntnis wahrscheinlich in etwa derart ''Auf den Hauptleitungen wimmelts nun von ihnen, es wird immer schwerer einen sicheren Landeplatz zu finden, wir müssen in Zukunft mehr riskieren.'', seinen Artgenossen in einfacher Sprachauswahl die bittere Neuigkeit mitteilen.

Während im Innern des Schiffes über blinde Passagiere beraten wurde, die sich sinnbildlich wie eine Meute stinkender Ratten auf einem real nicht mehr existierenden Ozeandampfer bis in die Südsee mitnehmen ließen, liefen einige der Sensoren im Cockpit des Schiffes plötzlich an und zeigten erhöhte Sentinel-Aktivitäten im einem Umkreis von circa 4.... 3..... 2 Kilometern - bei letzterem ertönte halblaut und verbundem mit einem roten Wirrwar an Signalen ein Warngeräusch am Amaturenbrett.

Nun war das rasselnde Klappern der mächtigen Fangarme und das glühend rote Licht der sentinent Konstruktionen zu vernehmen. In der Luft lag eine gewisse Energie, die sich jederzeit zu entladen schien. Die Pilotin des Hovercrafts merkte nicht nur aus Erfahrung als Erste, das etwas gefahrvolles mit viel grauenvollem Potenzial zu ihnen unterwegs war. Die Sentinels suchten, sie suchten das eine Schiff. Auf Order des Systems musste das Primärziel gefunden werden, Zugangscodes wurden zweitrangig, was zählte war ihr Tod.

Auch die vollkommen ungelernte, unausgebildete, schwächlich anmutende Gestalt Elveas schien einen solchen Verlauf ihrer bevorstehenden Standpauke nicht erwartet zu haben. Als Zivilistin sollte es nun wohl ein großes Ereignis sein, ihrem baldigen Tod persönlich ins glanzlose Auge zu nehmen.

Cassie kam, einwenig schnaufend, als Zweite im Cockpit an, dicht gefolgt von der Neuen, die sichtlich schneller ausser Atem zu kommen schien. Quan, der seine Dienstbekleidung schon halb ausgezogen hatte luckte in diesem Augenblich ebenfalls in das Cockpit. Kiawa sah ernst auf den dreidimensionalen Scanbildschirm, der ihr Versteck und den anliegenden Tunnel in matten Blau wiedergab und führte mit einem Blick zu ihrer Crew ihren Zeigefinger an die spröden Lippen, dann ließ sie sich auf ihren abgewetzten Pilotensessel fallen. Sie betätigte routiniert einige Knöpfe und Regelungen an ihrer Konsole und das Schiff wurde abermals einwenig ruhiger. Die Anspannung stieg ins Unermessliche und auch wenn die erfahrene Rebellen, und auch ihr langjähriger Operator, diese Begegnungen bereits kannten, hatten beide Angstschweiß auf der Stirn - die eine mehr, die andere weniger. Elvea wollte aus ihrer allgemeinen Verwirrtheit heraus ein ,,Was ist lo..'' hevorstoßen, wurde jedoch jäh durch den Anblick der schemenhaften Gestalt eines, der Tanköffnung gefährlich nahegekommenden Wächters mundtot gemacht...

Bild Link

Der rote Schimmer legte sich auf die bleichen Visagen der Besatzung, die Scans verzeichneten einen patroullierenden Überwachungsflug ihrer Gegner, wobei der gesamte Schwarm von insgesamt 15 Suchmaschinen den rostigen Landeplatz unbemerkt an sich vorbei ziehen ließ. Bis auf eine hartnäckige Ausnahme, die nun in diesem Moment vor der Öffnung die Senoren ausstreckte und nach Signalen von menschlichen Lebensaktivitäten, die nur durch den dicken Stahl des Hovercrafts gehemmt wurden, zu orten. Zeitgleich schoss Cassie der schmerzhafte Gedanke durch den Kopf, das sie in der vorhergegangenen Sache mit Elvea misslich vergessen hatte, den Elektromagnetischen Impuls vorzubereiten.

In jedem Moment würden sie tot sein. Aber warum standen die drei Menschen dann scheinbar wie angewurzelt vor ihrem Ende? War es verinnerlichte Hoffnung die sie mit der Zeit verblenden ließ? Erkannten sie nicht die wahre Beschaffenheit ihres jämmerlichen Daseins? Verließen nicht sogar Ratten ein sinkendes Schiff? Oder war es nicht mehr Wert, ein Leben lang wegzulaufen? Welche Fragen möchten einem kleingeistigen Menschen im Anblick des Todes wohl ereilen...

Die Sensoren ergaben nichts. Der Wächter drehte ab und überließ sie noch einmal ihrem Schicksal.

[Reale Welt - Tunnel - Hauptleitung 03/Wasserreservoir - Necessitas, Wächterschwarm]
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Verfasst am: 22.04.2005, 20:21
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[Reale Welt - Tunnel - Hauptdeck - Cassie, Elvea, Kiawa]

„Captain, wir haben einen blinden Passagier.“
Kiawa wirbelte herum. Vor ihr stand nicht nur Cassie, sondern, Kiawa wollte ihren Augen nicht trauen, auch jene junge Frau aus Zion, die sich schon einige Stunden zuvor unbefugten Zutritt zur Necessitas verschafft hatte.
„Das wird ja langsam zur Gewohnheit mit ihnen!“ sagte Kiawa und schüttelte missbilligend den Kopf.
„Was haben sie sich dabei gedacht? Oder nein, ich schätze mal, sie haben gar nicht nachgedacht!“
Elvea schien etwas antworten zu wollen, doch Kiawa ließ sie nicht zu Wort kommen. Es war eine Sache, sich unerlaubt einem Schiff zu nähern, um es angucken zu wollen. Doch es war etwas ganz anderes, sich heimlich auf eben dieses Schiff zu begeben und als unausgebildeter Zivilist mit ihm Zion zu verlassen.
„Haben sie auch nur die geringste Vorstellung, was sie hier erwarten wird? Elvea, wir befinden uns im Krieg und dieser Krieg hat nichts Heldenhaftes, nichts Ehrenwertes an sich. Wenn sie geglaubt haben, hier Ruhm und Ansehen erlangen zu können, dann muss ich sie leider enttäuschen. Ich gehe wohl recht in der Annahme, dass sie nicht ausgebildet sind?“
Elvea schüttelte wortlos den Kopf.
„Na wunderbar!“ Kiawa fuchtelte mit beiden Armen in der Luft und klatschte dann in die Hände. Sie war außer sich vor Wut. Sie hatte nun die Verantwortung für eine junge Frau, die nicht die geringste Ahnung von Wächtern, Agenten und dem Leben der Rebellen hatte und Kiawa wusste, dass es augenblicklich keine Möglichkeit gab, Elvea wieder zurück nach Zion zu bringen.
Die Arme vor der Brust verschränkt und sich mit der einen Hand die Stirn reibend, ging Kiawa auf und ab.
„Ich kann mich im Moment nicht mit ihnen befassen, Elvea. Was sie getan haben, war im höchsten Maße unvernünftig und lebensgefährlich, dessen sollten sie sich bewusst sein.“
Kiawa wandte sich an Cassie:
PC, bring Elvea in eine der Kabinen und zeig ihr, wo sie etwas zu essen und zu trinken findet. Ich ziehe mich …“, Kiawa hielt inne. Irgendetwas stimmte schon wieder nicht. Ein wohlbekanntes Kribbeln überzog ihre gesamte Haut, ihre Nackenhaare stellten sich auf und Herz- und Pulsschlag stiegen schlagartig an.
Kiawa kannte diese Signale ihres Körpers ganz genau – Gefahr!
„Moment!“ sagte sie und lief dann ohne zu zögern ins Cockpit.

[Reale Welt - Tunnel - Necessitas - Cockpit - Kiawa]

Sie hatte Recht! Die Signalleuchten an den Armaturen bestätigten ihren Verdacht: Ein größerer Schwarm Wächter befand sich in unmittelbarer Nähe und schien genau Kurs auf die Necessitas zu halten. Kiawa schwang sich in ihren Sessel und wenige Sekunden später hörte sie, wie Cassie hinter ihr ebenfalls das Cockpit betrat.

[Reale Welt - Tunnel - Necessitas - Cockpit - Kiawa, Cassie]

Ihr Operator musste nicht erst fragen, was Kiawa so beunruhigte. Auch sie hatte genug Erfahrung um den Ernst der Lage sofort zu erfassen.
„Verdammt!“ fluchte Kiawa leise und fuhr die Systeme des Schiffs augenblicklich noch weiter herunter.

[Reale Welt - Tunnel - Necessitas - Cockpit - Kiawa, Cassie, Elvea]

Elvea betrat das Cockpit. Ihre Augen waren geweitet und ein wenig außer Atem stieß sie hervor: "Was ist lo…“, doch weiter kam sie nicht. Ohne sich zu ihr umzudrehen, brachte Kiawa sie mit einem knappen und leise hervorgepressten, aber eindringlichen „RUHE!“ zum Schweigen. Und nun konnte Elvea den Grund für die plötzliche Aufregung und Nervosität der ganzen Crew sehen.
Direkt vor der Frontscheibe der Necessitas, näherte sich scheinbar unaufhaltsam ein Wächter von beträchtlichen Ausmaßen. Seine roten Augen glommen ihnen böse entgegen und Kiawa hörte hinter sich ein leises Wimmern, das ganz offensichtlich von Elvea kam.
Kiawa wagte es nicht, zu atmen oder sich gar zu bewegen. Sie hatte keine Erklärung dafür, warum die Wächter sie so schnell gefunden hatten.
„Diese verfluchten Biester!“ dachte sie. „Es muss in den Tunneln wimmeln von ihnen …“.
„Und irgendetwas ist anders als sonst …“, Kiawa kam nicht dahinter. Skeptisch dachte sie daran, wie oft sie nun schon angegriffen worden war und ihr wurde klar, dass Cassies Bemühungen, einen sicheren Landeplatz zu finden, um sonst waren. Lazarus stand schon so lange an seinem Landeplatz und so weit sie wusste, hatte er bis jetzt keinen unerwünschten Besuch bekommen.
Warum?
„Was wollt ihr von mir, ihr Mistviecher?!“
Kiawa konnte nichts machen. Sie sah in die glühenden Augen des Wächters und erkannte in ihnen ihren eigenen Tod.
„Nicht so und nicht hier!“ dachte sie. Sie hatte keine Angst vor dem Tod, doch sie wollte nicht wie ein in die Enge getriebenes Tier einfach abgeschlachtet werden, ohne ihrem Gegner auch nur das Geringste entgegen setzten zu können.
„Nein!“ dachte sie verbissen weiter. „Das ist nicht mein Ende! Meine Aufgabe ist noch nicht erfüllt!“
Und in diesem Moment geschah ein Wunder. Es schien beinahe so, als hätten die todbringenden Maschinen Kiawas Gedanken lesen können, als wären Mensch und Monster im Stillen übereingekommen, dass dieses Treffen nicht das letzte war.
Die riesigen Sensorenfächer an den Fangarmen des Wächters wurden plötzlich eingezogen und mit einem Ruck entfernte sich die mächtige Maschine und ließ die Necessitas und ihre Crew unbeschadet in ihrem Versteck zurück.

Kiawa schloss die Augen und atmete langsam aus. Die Systeme wollte sie noch für eine Weile runter gefahren lassen und so herrschte nur ein diffuses Dämmerlicht im Cockpit und im ganzen Schiff. Auch die Heizungen funktionierten nicht und es würde nicht lange dauern, bis das Schiff ausgekühlt war. Kiawa stand auf und drehte sich zu ihrer Crew um. Erst jetzt bemerkte sie, dass auch Quan die ganze Zeit hinter ihr gestanden hatte. Er trug nur seine Hosen, Shirt und Pullover hielt er in der rechten Hand. Offenbar hatte er sich hinlegen wollen.

„Das solltest du wieder anziehen, hier wird es bald ziemlich kalt werden!“ sprach Kiawa ihn an und ging auf die Tür des Cockpits zu. Als sie neben Elvea stand, hielt sie noch einmal inne:

„War es das, was sie wollten?“ fragte sie im ernsten Ton. „Sie hätten jetzt tot sein können … es ist ein Wunder, dass wir alle noch leben!“

Ohne eine Antwort abzuwarten, verließ Kiawa das Cockpit.

Sich im Gehen die Schulter massierend, sie hatte nicht gemerkt, in welcher Anspannung sie in ihrem Pilotensessel gesessen hatte, schlug sie den Weg zum Hauptdeck ein. Sie wollte noch eine kurze Weile abwarten, bevor sie die Systeme wieder hochfuhr und dann Kontakt zur Alucard aufnehmen. Lazarus musste gewarnt werden.

[Reale Welt – Tunnel – Necessitas – Hauptdeck – Kiawa]

Auf dem Hauptdeck angekommen, bemerkte sie sofort, dass noch nicht einmal der EMP geladen war. Cassie musste es vergessen haben und Kiawa wurde sich mehr und mehr ihres großen Glücks bewusst, heil und unbeschadet aus der ganzen Sache heraus gekommen zu sein.
Schwerfällig ließ sie sich auf einen der Stühle fallen und lehnte sich zurück. Sie schloss die Augen. Jemand betrat das Hauptdeck und Kiawa brauchte nicht erst die Augen wieder öffnen, um zu wissen, wer es war:

[Reale Welt - Tunnel - Neessitas - Hauptdeck - Kiawa, Cassie]

„Ich habe Elvea in eine der Kabinen gebracht. Ich denke, sie steht etwas unter Schock, ich habe ihr einige Kräuter zur Beruhigung gegeben.“
Cassie sprach ruhig und leise. Kiawa antwortete nicht.
„Warst du nicht ein bisschen zu hart zu ihr, Captain? Ich glaube nicht, dass sie in böser Absicht gehandelt hat. Ich denke eher, dass sie …“.
Kiawa unterbrach sie jäh. Abrupt hatte sie sich aufgesetzt und funkelte Cassie nun mit wütendem Blick an:
Cassie, das Leben eines Rebellen IST hart, vergiss das nicht! Ich weiß nicht, welche Absichten Elvea hatte, vielleicht hatte sie gar keine. Aber sie hat absolut unvernünftig gehandelt. Sie bringt nicht nur sich selbst, sondern auch die gesamte Crew in Gefahr. Sie hat keine Ahnung, was der Krieg gegen die Maschinen bedeutet und ich befürchte, hier wird sie es schneller und auf brutalere Art lernen, als ihr lieb ist. Sie hat sich selbst in eiskaltes Wasser gestoßen und ich bin mir nicht sicher, ob sie schwimmen kann. Ich kenne sie nicht, kann sie nicht einschätzen und mit ihrer Ausbildung werden wir viel Zeit aufbringen müssen. Zeit, die wir eigentlich nicht haben. Wenn sie auf der Nec bestehen will, dann muss sie von Anfang an verstehen, dass das Leben hier kein Zuckerschlecken ist. Im Gegenteil, sie wird auf Granit beißen und ich hoffe … sie hat starke Zähne.“

Kiawa beugte sich nach vorn und stützte den Kopf in ihre Hände.
„Fahr die Systeme wieder hoch, ich muss Lazarus warnen“, sagte sie, ohne aufzublicken.
„Aye Captain!“ Cassie tat wie ihr geheißen, sie wußte, dass es zur Zeit keinen Sinn hatte, weiter mit Kiawa über Elvea zu reden. Sekunden später erwachte das Schiff erneut zum Leben. Das Licht wurde heller und das Rattern und Surren der elektrischen Systeme erfüllte wieder die Luft.
„Soll ich eine Leitung zur Alucard herstellen?“
„Ja, und behalte die Wächteranzeigen im Auge. Ich möchte keine bösen Überraschungen mehr!“

Ohne etwas zu erwidern, aktivierte Cassie den Bordfunk:
„Alucard bitte kommen, hier ist die Nec. Eric, kannst du mich hören?“
Es raschelte und knisterte in der Leitung:
„Hallo PC, klar kann ich dich hören, was gibt’s?“

Kiawa sprang auf und nahm Cassie das Headset vom Kopf. Schnell sprach sie hinein:

Eric, hier ist Captain Kiawa. Wir hatten eben gerade Besuch von einem Schwarm Wächter. Es waren ca. 15 Maschinen und sie scheinen auf der Suche nach uns zu sein. Uns ist nichts passiert, sie haben uns nicht entdeckt – keine Ahnung wieso. Aber ihr solltet eure Anzeigen genaustens im Auge behalten.
Wo ist Captain Lazarus?“
„Danke für die Warnung. Captain Lazarus hat sich zurückgezogen, ich kann das Gespräch aber gerne zu ihm durchstellen, wenn sie das möchten.“
„Nicht nötig Eric, es reicht, wenn du ihm alles ausrichtest. Wie weit seid ihr mit euren Planungen? Läuft alles wie es soll?“
„Ja momentan scheint alles gut zu laufen. Floyd hat eine Möglichkeit gefunden, wie wir doch noch an Karten für eine Loge kommen können und ich wollte ihn gerade wieder … verdammt! Was ist das?
Sorry Captain, da scheint es Schwierigkeiten zu geben, ich melde mich wieder.“


Die Leitung wurde unterbrochen, noch ehe Kiawa etwas antworten konnte. Erschrocken blickte sie Cassie an und diese machte sich sofort daran, herauszufinden, was für Schwierigkeiten die Alucard hatte. Ihre Finger flogen über die Tastatur ihrer Armaturen und schnell hatte sie die Ursache für die Aufregung entdeckt:

Floyd steckt in der Matrix fest, sie haben ihn entdeckt. Hier …“, Cassie deute mit dem Finger auf den grünen Code, „ein Agent ist bei ihm!“

[Reale Welt – Tunnel – Necessitas – Hauptdeck – Kiawa, Cassie]
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Verfasst am: 24.04.2005, 23:17
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[Reale Welt - Tunnel - Necessitas - Hauptdeck - Cassie, Kiawa]

Nachdem der Operator der Alucard, Eric, den Funkverkehr so abrupt beendet hatte, war keine Sekunde vergangen, in der Cassie die Situation ihrer Kollegen in der Matrix aus den Augen gelassen hatte.

Floyds Lage war inzwischen mehr als ernst und auch Max und den beiden anderen jungen Frauen ging es nicht viel besser.
Kiawa war vorübergehend in ihrer Kabine gewesen, doch jetzt stand sie wieder hinter Cassies Stuhl und blickte mit finsterer Miene auf die Bildschirme:

„Diesen Agenten kenne ich. PC, er ist anders als die anderen, irgendwas stimmt mit ihm nicht. Ich bin ihm schon einige Male begegnet und fast jedes Mal hat er in mir ein Gefühl der Angst erzeugt, dass ich sonst nie kennen gelernt habe.“
„Naja“
, antwortete Cassie, „er ist ein Agent, da hätte ich auch Angst.“
„Nein PC, bei ihm ist es anders. Ich kann dir das nicht erklären, aber dieser Agent, wie immer er auch heißt, ist mehr als gefährlich. Eine Maschine folgt der ihr vorgegebenen Funktion, ihrer Programmierung, doch diese hier scheint …“, Kiawa suchte nach den richtigen Worten, „…einem eigenen Denkschema unter geordnet zu sein. Er ist eine Bestie, ein Monster und das nicht nur, weil er Espore …“.
Kiawa brach ab und schluckte schwer. Ihr Hass auf den Mörder ihres Gefährten war noch lange nicht versiegt, im Gegenteil! Wie ein Tier, das stetig gefüttert wurde, wuchs er in ihrem Inneren und gab ihr Kraft. Kiawa machte sich ihr Gefühl der Wut und der Verachtung zu Nutze und ließ sich von ihnen nähren wie ein Löwenjunges von seiner Mutter. Mit jedem Tag, der verging, wurde sie stärker.

„Sieh dir das an!“ brüllte Cassie auf einmal. „Sie scheinen ihn verhaften zu wollen!“
„Mist!“ fluchte Kiawa und besah sich die Szenerie.
In eben diesem Moment ging einer der Polizisten auf Floyd zu, um ihm Handschellen anzulegen und zeitgleich mussten die beiden Frauen mit ansehen, wie der Code eines Unwissenden von den Bildschirmen und aus der Computerwelt verschwand und sich unheilvoll und bedrohlich in den eines weiteren Agenten wandelte.

„Noch einer von denen, das geht nicht gut. Wo zum Geier ist Lazarus, was macht der die ganze Zeit? Will er seinen ersten Offizier zum Henker jagen?“
Kiawa strich sich nervös durch die Haare und bemerkte nicht, dass sie sich dabei einige Strähnen aus dem Zopf zog.
Ein lautes und innervierendes Piepen ließ Captain und Operator zusammen zucken. Es war der Bordfunk und Cassie ging sofort dran:

„Necessitas? Könnt ihr mich hören da drüben?“ plärrte Erics verzerrte Stimme Cassie sofort ins Ohr und durch die Lautsprechfunktion auch durchs ganze Schiff.

PC? Hab ich dich dran?
„Ja, du hast mich wohl. Was-“


Cassie kam nicht weiter zu Wort. Eric unterbrach sie aufgeregt und sprach schnell weiter, so dass Cassie fast Schwierigkeiten hatte, ihm zu folgen:

„Hör zu, könnt ihr sehen, was grad mit Floyd passiert? Ich hab versucht ihn anzurufen - ich krieg keine Antwort. So wenig, wie er zurückruft! Ich dachte nur es wär schön, wenn mir vielleicht mal jemand sagen könnte, was zum Jesus ich jetzt machen soll um ihn da rauszukriegen!! Max und der Rest der Truppe hat genauso Ärger am laufen und ich muss sie irgendwie auch da raus bringen, wenn's geht demnächst, könntet ihr euch ... äh ... naja, ein bisschen mit um Floyd kümmern? Ich mein' es wär gut, wenn er anruft, aber ... verdammt, er ruft ja nicht an!!"

Eric, Eric, bleib erst mal ganz ruhig!“ versuchte Kiawa ihn zu bremsen.
„Was ist mit Captain Lazarus, wo ist er?“
„Er ist noch immer im Cockpit und hat seinen Funk abgestellt oder er sitzt auf seinen Ohren, ich erreich ihn nicht.“
Kiawa runzelte die Stirn. Was war los mit ihrem alten Freund? Das sah ihm gar nicht ähnlich, dass er seine Crew so im Stich ließ.
„Ok, alles klar, und Floyd meldet sich nicht? Er wird sein Handy verloren haben, sonst hätte er schon längst angerufen.
Ich fürchte allerdings, im Moment können wir Floyd nicht helfen. Zwei Agenten und mehrere Polizeieinheiten sind bei ihm, das ist zu viel. Kümmere dich in erster Linie um Max und die zwei anderen. Cassie wird Floyd im Auge behalten. Ich gehe mal davon aus, dass sie ihn mit aufs Revier nehmen werden. Sicher wollen sie ihn verhören.
Eric, du musst dafür sorgen, dass Lazarus etwas unternimmt!“


Kiawa konnte sich die ganze Sache nicht erklären.
„Lazarus, wo bist du?“ dachte sie und begann, sich ernsthafte Sorgen zu machen.

[Reale Welt – Tunnel – Necessitas – Hauptdeck – Cassie, Kiawa]
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Verfasst am: 05.05.2005, 12:22
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[Reale Welt - Tunnel - Necessitas - Hauptdeck - Kiawa, Cassie]

Nachdem Eric die Leitung unterbrochen hatte, gab es für Kiawa und ihre Crew nichts weiter zu tun, als die Situation der Alucard im Auge zu behalten und notfalls einsatzbereit zu sein.
Floyd war in einer schwierigen Lage und seine Kollegen mussten vom Schlimmsten ausgehen. Obwohl Kiawa den ersten Offizier der Alucard kaum kannte, so wusste sie doch, dass er kein Kämpfer war. Floyd war Techniker, hoch begabt und sehr versiert wenn es darum ging, eine Hardline zu hacken oder eine neue Waffe zu erfinden. Doch im Kampf hätte es wohl jeder besser ausgebildete Neuling mit ihm aufnehmen können.
Kiawa seufzte, die Zeit des Abwartens, war nie leicht zu ertragen, wenn einer der Rebellen, ob befreundet oder nicht, in Gefahr war.
Um sich abzulenken, wandte Kiawa sich wieder den Ereignissen ihres eigenen Schiffes zu:

Cassie, was denkst du über Elvea, über unseren blinden Passagier?“

Cassie runzelte die Stirn. Offenbar war Elvea im Moment die Letzte an die sie dachte. Sie brauchte einige Sekunden, ehe sie antwortete:

„Nun, ich denke, dass sie auf Grund einer Kurzschlussentscheidung gehandelt hat. Sie wird sich nicht wirklich im Klaren darüber sein, was es bedeutet, als Rebell auf einem Schiff zu arbeiten. Doch ich finde sie sehr mutig. Sich einfach auf eins der Schiffe zu schleichen … ich weiß nicht, ob ich mich das damals getraut hätte."
„Ja, du hast Recht, Mut hat sie…“. Kiawa hielt kurz inne. In gewisser Weise, konnte sie Elvea verstehen. Im Grunde ging Kiawa nicht davon aus, dass Elvea von der blanken Sensationslust getrieben worden war.
Wie Cassie schon richtig gesagt hatte, Elvea war einer fixen Idee gefolgt – jetzt oder nie! – ohne sich aller Konsequenzen und der Risiken genau bewusst zu sein. Vielleicht war sie es leid gewesen, nur eine Randfigur im großen Kriegstreiben zu sein. Vielleicht hatte sie ausbrechen wollen, war vor irgendetwas oder irgendwem davon gelaufen – Kiawa wusste es nicht.

„Cassie, ich möchte, dass du sie holst. Ich muss noch einmal mit ihr reden, jedoch nicht hier. Bring mich ins Konstrukt, ich werde dort auf sie warten.“
„Alles klar, Kiawa. Ich schick sie dir rein.“

Cassie schloss ihren Captain an den Computer an und Kiawa bekam nicht mehr mit, wie ihr Operator das Hauptdeck verließ um Elvea zu holen.

[Reale Welt – Tunnel – Necessitas – Konstrukt – Kiawa]

Kiawa öffnete die Augen und im ersten Moment stutzte sie:
Sie stand in einem kleinen Raum. Graue Steinmauern umgaben sie und wölbten sich zu einem niedrigen Dach über ihrem Kopf. An den Wänden brannten Fackeln und das tanzende Feuer spiegelte sich leuchtend in den wenigen Buntglasfenstern, die zur linken und rechten Seite das Mauerwerk durchbrachen.
Unter Kiawas Füßen lag ein großer und wie es schien handgewebter Teppich. Szenen einer Schlacht aus einer längst vergangen Zeit, waren darauf zu sehen.
Direkt vor Kiawa standen zwei hohe Lehnstühle aus dunklem und massivem Holz. Sie waren reich verziert mit kunstvollen Schnitzereien und rote Sammtkissen polsterten ihre Sitzflächen.
Hinter diesen Stühlen bot eine schwere Eichentür einen Durchgang, im Moment war sie jedoch verschlossen.

Kiawa sah an sich herunter, sie trug nicht mehr ihr übliches Matrixoutfit, Cassie hatte ihre Kleidung dem Ort angepasst:
Ein grünes Ledermieder, an den Seiten geschnürt und ohne Ärmel, umhüllten ihren Oberkörper. Enge, schwarze Hosen und hohe Schaftstiefel, die bis über die Knie reichten, saßen wie angegossen und bildeten eine zweite Haut.
Wie einen Mantel trug sie eine ärmellose Weste dazu, die bis zum Boden reichte.
An Kiawas rechtem Oberarm schlängelten sich schwarz-tätowierte Linien zu einem Ornament und ihre Handgelenke und Unterarme waren in Ledermanschetten gebunden. In einer dieser Manschetten steckte, kaum sichtbar, ihr geliebtes Messer.
Kiawas Haare waren an den Seiten nach hinten gebunden und hingen ansonsten an ihrem Rücken lang herab.

Bild Link

Kiawa hörte ein Geräusch und wenige Sekunden später öffnete sich knarrend die schwere Eichetür. Elvea stand in ihr und blickte sich unsicher um. Sie trug ein schlichtes Kleid aus weißem Leinen. Ihr rotes Haar hingen ihr offen über die Schultern. Fragend blickte sie Kiawa entgegen.

Elvea... komm her, setz dich bitte!“
Kiawa deutete auf einen der Lehnstühle, auf ihrem Gesicht war keine Regung auszumachen. Weder Freundlichkeit, noch Ablehnung sagte es aus. Elvea trat näher und setzte sich. Sie wirkte unsicher und blickte sich schnell im ganzen Raum um.
„Wo sind wir?“ fragte sie.
„Das hier…“, Kiawa fing den Raum mit einer kreisenden Handbewegung ein, „ist das Konstrukt. Es ist ähnlich wie die Matrix selbst, eine Computer animierte Scheinwelt, in die wir alles laden können, was wir wollen.
Möbel, Kleidung, Waffen, Trainingsimulationen …. Alles!“

Elvea nickt. Sicher hatte sie schon einmal von diesen Programmen gehört.
„Ich habe dich hier herholen lassen, weil ich noch einmal mit dir reden möchte, Elvea.
Was du getan hast, kann ich noch immer nicht gut heißen, doch ich möchte dir die Chance geben, dich zu erklären. Ich möchte wissen, was dich dazu getrieben hat, dich auf mein Schiff zu schleichen und ich möchte wissen, was du nun willst. Warum bist du hier und wie stellst du dir vor, soll es nun weiter gehen? Als Zivilistin kann ich dich nicht auf der Nec behalten, es wäre zu gefährlich für dich und die Ausbildung zum Rebell ist lang und hart.
Also Elvea, sage mir, was du willst!“


[Reale Welt – Tunnel – Necessitas – Konstrukt – Kiawa, Elvea]


Zuletzt bearbeitet von schwarzerFuchs am 07.05.2005, 14:55, insgesamt einmal bearbeitet
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Verfasst am: 06.05.2005, 17:24
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Titel:

[Reale Welt - Tunnel - Necessitas – Revery’s Quartier - Revery]

Revery schlug die Augen auf, spürte die harte Bank unter sich, die ihn immer wieder daran erinnerte, dass er nicht mehr in Zion sondern auf einem Schiff war. Man konnte sagen, was man wollte, aber die Betten in Zion hatten immer noch etwas Weicheres an sich als die Kojen hier. Über ihm glühte ein flackerndes, blendendes Licht, das ankündigte, dass es noch Tag war. Und auch unter dem schmalen Spalt unter der Tür leuchtete es.
In einer etwas steif wirkenden Bewegung setzte er sich auf. Irgendwie steckte ihm die letzte Woche Schlaf wohl noch in den Glidern, das war jedenfalls der ersichtlichste Grund für ihn sich freiwillig hinzulegen, doch nachdem er es jetzt bestimmt schon eine Stunde versucht hatte, indem er die Augen geschlossen und sich auf dem harten Untergrund alle paar Minuten komplett um 180° gedreht hatte im Versuch eine ‚bequeme' Lage zu finden und statt dessen nicht einmal den gewünschten Schlaf erhalten hatte, reichte es ihm jetzt.
Revery lauschte einen Augenblick, doch es drangen ihm nur leise, gedämpfte Geräusche entgegen was hieß sie befanden sich wohl noch immer auf ihrem Landeplatz. Seit die Wächter sie beinahe entdeckt hatten, hatte sich also nicht viel getan. Einmal tief durchatmend schwang er die Beine über die Kante seines Schlafplatzes und erhob sich.

Auch auf dem Gang war nichts zu hören, was wiederum darauf schließen ließ, dass die restliche Crew sich entweder in der Kantine oder auf dem Maindeck befand.
Er öffnete die Tür zu seinem Quartier, schloss sie hinter sich fest wieder und machte sich mit raschen, gezielten Schritten auf den Weg Richtung Kantine.
Etwas Größeres konnte nicht sein, andernfalls hätten sie ihn garantiert schon aus dem Bett geschmissen ...

Kann trotzdem nicht schaden, wenn ich nachsehe, was anliegt ...

Die Tür zur Schiffskantine fand Revery geschlossen vor. Er hielt inne. Die Hand langsam ausstreckend zögert er in der Bewegung leicht und lauschte einen Augenblick. Von drinnen war nichts weiter zu hören, nichts, bis auf das monotone, leise Summen weit heruntergefahrener Geräte, die nur noch auf dem minimalsten Strich liefen. Stimmen waren nicht auszumachen, auch keine Schritte auf dem schweren Boden, nichts.
Revery griff schließlich doch zur Tür, zog sie auf ... und zuckte vor Überraschung leicht als ihm jemand entgegenblickte ... jemand, der ihm irgendwie ziemlich vertraut vorkam ...
In einer fast schon automatischen Bewegung war seine Hand zu seinem Gürtel geschnellt, wo er ein knappes Jahr über seine Waffe getragen hatte nur, um dabei direkt ins Leere zu greifen. Er fluchte leise.

Verdammt, du bist nicht mehr in der Matrix ... merk’s dir endlich ... was dich hier draußen angreift, das kannst du nicht einfach mit einer Pistole abknallen ...

Langsam hob er den Blick wieder um sein Gegenüber jetzt genauer zu betrachten ...
„Shit ..." Von der anderen Seite des Raumes blickte ihm sein verzerrtes Spiegelbild aus der glasähnlichen Tür eines Wandboards entgegen.

Verfolgungswahn jetzt auch noch, hm? Ganz toll ...

„Hat mir auf meiner Liste noch gefehlt, wie ...", brummte er vor sich hin und hob den Kopf, blickte sich um nur um sicherzugehen, dass niemand die kleine Show verfolgt hatte, was offenbar auch nicht der Fall war ...

Die Kantine war also auch leer, blieb höchstens noch das Maindeck übrig.
Mit einem lautlosen Seufzen drehte er sich auf dem Absatz um und machte sich auf den Weg durch die schmalen Gänge. Nicht überall war Licht und man konnte wohl sagen, dass man aufpassen musste, wo man hintrat ... sein Glück nur, dass die Necessitas klein war, andernfalls hätte er sich garantiert schon öfter irgendwo geirrt, sein Orientierungssinn war nämlich nicht auf Anhieb der beste ...

Eine Leiter nach oben steigend führte es Revery in einen spärlich beleuchteten Raum. Er war schon mit den Paar Echtochairs überfüllt genug und mitten in dem Ganzen thronte eine breite Konsole mit mehreren Bildschirmen, Keyboards und anderen Armaturen. Die OP-Konsole.
Cassie saß an ihrem Platz, den Rücken ihm zugekehrt. Auf den drei größten Schirmen zogen sich endlose grüne Striemen in der ewig gleichen Geschwindigkeit und in ebenso monotonem Ablauf herab. Die codierte Matrix.
Revery, dessen Schritte verhältnismäßig leise gewesen waren, hielt kurz inne. Cassie hatte ihn offenbar nicht kommen hören, jedenfalls drehte sie sich nicht um.
Er räusperte sich leicht, diesmal fuhr sie herum und blickte ihn direkt an. Revery zog die Hände hoch als wollte er etwas abwehren, Cassie lächelte ihm flüchtig zu als sie ihn erkannte und er ließ die Hände wieder sinken und trat näher heran.

„Du lebst ja auch noch.“, bemerkte sie nebenbei und wandte sich einem der kleineren Schirme zu, der ebenfalls Codes zeigte, der daneben jedoch etwas anderes ...

„Yeah.“, entgegnete er knapp und nickte langsam. „Wo ist der Cap?“
Cassie nickte leicht zur Seite. „Im Konstrukt.“
„Training?“
„Nein, sie wollte nochmal mit Elvea reden.“

Diesmal zogen sich Revery’s Augenbrauen in die Höhe. Er legte eine Hand auf die Stuhllehne und eine an den Rand einer Tastatur und blickte über Cassies Schulter auf den Bildschirm. „El – wer?“, hakte er nach einem Moment nach und sah leicht verwirrt drein.
Elvea. Unser blinder Passagier ...“, wiederholte Cassie bereitwillig. „Sie hat sich an Bord geschlichen als wir in Zion waren ...“
Revery warf ihr einen Blick zu. „Ich hab was verpasst ...“
Auf die Feststellung hin erzählte Cassie ihm was abgelaufen war, sie berichtete auch von der Lage der Alucard und als sie mit ihrer kurzen Erzählung am Ende war, nickte er leicht.
Elvea, also.", murmelte er vor sich hin und runzelte die Stirn. Er dachte zurück an den Moment als die Wächter gekommen waren ...

Scheinbar hatte er sie zu dem Zeitpunkt vollkommen übergangen. Es gab Momente da wunderte er sich, ob er nicht immer noch träumte, ob sein Leben nicht noch immer an ihm vorüberzog. Vielleicht war das hier alles so wenig echt, wie es sein anderes Leben gewesen war ... irgendeine Lüge ... vielleicht hatten sie den Krieg längst verloren und die Maschinen gaukelten ihnen abermals eine Simulation vor um sie zu unterdrücken ... oder vielleicht war es auch ganz normal das man Dinge, Menschen nicht mehr wahrnahm sobald der Tod nahe genug an einen herankam, dass man ihm ins Angesicht blicken konnte.

Es war nicht seine erste Begegnung mit Wächtern gewesen, er hatte den ausdruckslosen, fast lautlosen Tod schon einige Male gesehen ... trotzdem konnte er sich nicht recht an den Anblick gewöhnen. Die Präzision dieser Maschinen war gigantisch, der Anblick der glanzlosen Augen in der eintönigen Ebene draußen ...
Bizarre Gestalten die auf eine ganz eigene weise Angst und gleichzeitig auch eine Bewunderung hervorrufen konnten ...

„Und sie hat sich an Bord geschlichen?" Revery war von seinem kurzen Gedanken Abschweif zurück in die Realität gekehrt, merkte, dass er noch immer auf den Bildschirm vor sich starrte und trat daher wieder zurück, die Hände in die Hosentaschen steckend.

„Sieht ganz so aus.“ Cassie nickte.
„Sie hätte einfach fragen können.“
Auf die Feststellung hin erhielt er keine Antwort. Er warf Cassie einen abwartenden Seitenblick zu, doch sie hatte sich abgewandt und ihr Gesicht lag im Schatten der Bildwände, sodass er es nicht erkannte.
Nach einiger Zeit des Schweigens kapitulierte Revery im Stillen.

Na schön ...

Sein Blick schweifte kurz umher und fing dann wieder die beiden Bildfächen ein, die ihm zuerst aufgefallen waren. Er nickte in die Richtung, auch wenn er sich nicht sicher war ob Cassie das sehen konnte.

„Du schreibst ... ein Programm?“
Cassie drehte sich nicht um, auch wenn es den Anschein gab, als hatte sie genau das tun wollen.
„Ja.“
Er nickte wieder. Sie hakte nach. „Hast du schonmal eins geschrieben?"
Revery schwieg einen Moment, auf seiner Stirn waren erneut leichte Furchen, dann schüttelte er ganz langsam den Kopf. „Nein ... nein, hab ich nicht.“
„Weißt du wie’s geht?“
„Ungefähr ... ich weiß, dass man sich die Codes zusammenlegt und dann einsetzt. Aber ich hab keine Ahnung wie das genau vor sich geht."
„Willst du’s versuchen?“

Er lachte leicht auf, doch es klang seltsam, nicht wie ein wirkliches Lachen eher hohl und es erstarb schnell wieder. „Ist’n Scherz, oder? Wer weiß was ich damit anstelle ...“ Er brach leicht ab und warf ihr einen Blick zu. „Es ist kein Scherz ... richtig? Na toll ...“
„Es ist einfach ...“
„Ja, sicher ... weißt du, das ist verdammt lang her, aber wenn du das vor was weiß ich wann jemand erzählt hättest hätte man dich auf dem Scheiterhaufen verbrannt.“
Diesmal lachte Cassie.

„Der Captain meinte schon ich könnte zaubern ...“
„Gratuliere ...“
„Ziehst du also zurück?“
Er hielt einen Moment inne.
„Shit ... na gut, meinetwegen, ein Versuch kann nicht schaden.“

Revery trat erneut heran und legte die Hände auf eines der Site – Keyboards. Unter Cassies Anleitung funktionierte er die Codes zusammen und wieder entstanden Landstriche, aber auch andere Gegenden, da Revery sobald er die Sache auf die Reihe bekam, seine ganz eigenen Fantasien auslebte, wobei nicht immer etwas Gescheites rauskam.

Er grinste leicht vor sich hin. „Verdammt ... damit könnte man eine zweite chinesische Mauer schreiben und es bräuchte nichtmal Tage ..."
Cassie verdrehte die Augen. „Männer ...“
„Frauen ...", brummte er zurück und warf nebenbei einen Blick auf die Bildwand, die Kiawa und Elvea zeigt.
„Was glaubst du, wie lang sie noch brauchen?"
Cassie zog die Stirn leicht in Falten.
„Ich weiß nicht. Ich könnte mir denken sie haben einiges zu besprechen ...“
Revery sah noch einmal zu dem Friedhof samt Kirche in der leicht dämmernden Nacht, der soeben unter seinem Tippen entstanden war, und stand dann aus seiner Hocke auf, Cassie die Tastatur überlassend. Er streckte sich kurz, ging dann zu einem der Stühle, die sie sonst benutzten, wenn sie in die Matrix hackten und ließ sich mit einem dumpfen Geräusch in das abgewetzte Leder fallen.

„Spielt ja auch keine Rolle. Immerhin sind wir hier praktisch zeitlos. Alles, was wir wissen ist, wann es Nacht und wann es wieder Morgen ist ..."
„Trotzdem arbeitet die Zeit gegen uns.“
„Gut zu wissen.“
„Warum?“
„Ein altbekanntes Gefühl unter Zeitdruck zu arbeiten ...“
„Hast du einen Fimmel für Kirchen?“

Revery blickte auf und warf einen fragenden Blick Richtung OP Konsole.
„Wieso?“
Cassies Blick wanderte über seine ‚Kreationen‘.
„Oder ist deine Fantasie einfach nur abstrakt auf Friedhöfe ausgerichtet? Du hast überall eine Kirche und einen Friedhof mit eingebaut ...“

Revery lehnte sich wieder zurück und sein Blick schweifte ins Leere.
„Nein ... es ist einfach ... als ich noch in der Matrix war, kam ich immer an dieser heruntergekommenen Kirche vorbei. Im CC West-Viertel ..."
„Und?", hakte Cassie nach, als er nicht fortfuhr.
„Keine Ahnung. Ich hab mich einfach jedes Mal ... gefragt ... wozu es Gott eigentlich gibt, bei dem, was da jeden Tag so abläuft.“

Er dachte einen Augenblick nach. Seine eigenen Worte hörten sich irgendwie weit entfernt an.
Das ist jetzt schon eine ganze Weile her ...

„Jetzt hat sich die Frage leicht geändert.“,
„Die da nun heißt?“
„... ‚gibt es Gott eigentlich‘?“
Er sah auf und eine Weile herrschte wieder Schweigen, dann ...

„Glaubst du an die Sache mit dem Auserwählten, PC?“
“Wenn wir ihn wirklich haben ...“
Er nickte. „Und du glaubst er kann den Krieg beenden?“
Sie schwieg.
„Ich hoffe mal er kann’s ... und er schafft es auch soweit.“, beantwortete er seine eigene Frage nach einer Weile.

Schwungvoll stemmte Revery sich wieder aus dem Stuhl hoch und trat erneut zu Cassie an die Konsole, den Blick wieder auf die Bildschirme gerichtet, die Hände in den Hosentaschen.

„Sie müssten es langsam haben mit ihrem kurzen Gespräch, oder?“
„Hn, sie scheinen aber immer noch zu reden ...“

„Na toll ... das heißt dann wohl, dass wir mit dem Essen noch ‘ne Weile warten müssen, oder?"
„Ja ...“
„Was soll’s, es wird ja nicht kalt ...“
Cassie lachte wieder leicht. „Aber dafür mit jedem Tag älter ...“
Revery warf ihr einen Blick zu und grinste schief.
„Je schlechter das Essen, desto besser die Kämpfer, das hält uns bei schlechter Laune ...“

Er legte wieder eine Hand an den Stuhl und beobachtete die weitere Konversation zwischen Kiawa und Elvea im Konstrukt.
Commander Lock bekommt also wohl genug zu essen, hm?"

[Reale Welt - Tunnel - Necessitas - Hauptdeck – Cassie , Revery]
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Verfasst am: 08.05.2005, 20:51
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[ Reale Welt – Tunnel – Necessitas – Hauptdeck – Elvea –Cassie ]

Elvea war schwindelig , es schien ihr , als sei alles um sie herum wie ein unscharfer Film , wie ein weißes Rauschen . Alles war so schnell geschehen .Sie war gefunden worden , war Kiawa unter die Augen getreten und hatte ihrem eigenen Tod bei der Begegnung mit dem Wächter in die Augen geblickt . Das war reichlich viel für diesen kurzen Zeitraum , aber es hatte ihr nichts von ihrer Entschlossenheit genommen . Wenn sie wirklich etwas bewirken wollte hier auf der Nec , wenn sie ihren Beitrag leisten wollte , von dem sie zwar noch nicht wußte , was es war , aber spürte, das etwas auf sie wartete , dann wollte sie keine Beschönigungen , sie wollte den Sprung ins kalte Wasser . Das war schon immer ihre Art gewesen , etwas zu lernen , etwas zu Begreifen . Sie erinnerte sich an eine Szene aus ihrer Kindheit .Elvea war 5 Jahre alt gewesen und ein kleines , schmächtiges Kind .Eine Gruppe älterer Jungen hatten an einem See ihre Lieblingspuppe weggenommen und sie auf das Wasser hinaus geworfen . Dort trieb sie ,einige Meter weit vom Ufer entfernt .Es war Niemand da , der ihr hätte helfen können .Doch sie wollte ihr Spielzeug zurück haben . Da hatte sie ihre Sachen ausgezogen und hatte sich ans Ufer gestellt . „Ich werde mir zurückholen , was mir gehört „ , hatte sie laut zu sich selbst gesagt .Dann hatte sie tief durchgeatmet und war ins Wasser gegangen .Dort hatte sie die ersten Schwimmzüge ihres Lebens getan.Auch wenn ihr kleiner Körper schmerzte und sie um die Gefahren wußte , sie hatte es geschafft . Sie hatte gespürt , das sie es konnte . Sie hatte so viel Vertrauen in sich selbst , das es die Erwachsenen oft verblüffte .So hatte sie auch die Kunst der Bildhauerei gelernt . Niemand hatte es ihr gezeigt oder sie mit Techniken vertraut gemacht .Ihr Vater hatte großen Anteil daran . Er hatte ihr immer gesagt , sie solle in sich hineinspüren und auf ihre Gefühle hören . „Dann wirst du immer wissen , was richtig ist und was du tun sollst .“ So war es immer gewesen , und so würde es immer bleiben .

Mit diesen Gefühlen und Gedanken war sie der rothaarigen Frau gefolgt , die sich als Cassie vorgestellt hatte . „ Der Captain möchte sie sehen , Elvea . Sie werde ihr sicher einiges erklären müssen . „ „Das werde ich.“. Cassie erklärte ihr , das sie sie nun an die Computer anschließen würde , um sie zu Kiawa ins Konstrukt zu bringen. Elvea hatte von diesem Programm gehört .
Sie atmete tief durch und schloß die Augen . Sie sammelte sich und öffnete die Augen wieder.

[ Reale Welt – Tunnel – Necessitas – Konstrukt – Elvea – Kiawa ]

Sie stand vor einer dunklen Eichentür , die verschlossen war . Elvea drückte die Klinke herunter und betrat staunend einen Raum aus einer anderen Zeit , der einem Traum entsprungen zu sein schien . Fackeln an den Wänden tauchten alles in ein geheimnisvolles Dämmerlicht . Sie erhellten dicke Steinmauern , kostbare alte Teppiche und eine Szenerie , die ihr auf seltsame Art und Weise vertraut vorkam . Sie hatte so etwas schon einmal gesehen , in Büchern , die ihre Mutter ihr hinterlassen hatte . Bücher mit Bildern und Beschreibungen ihrer Heimat , Irlands .Konnte das ein Zufall sein? Elvea ging , wie von einer unsichtbaren Macht gezogen , ein Paar Schritte in de Raum hinein . Dort erblickte sie Kiawa . Sie wußte , das es Kiawa sein mußte ,auch wenn diese ganz anders aussah als sonst . Sie paßte zu der Szene . „Wie eine keltische Kriegerin aus Mutters Büchern ,“ dachte Elvea fasziniert . Das Grün ihres Mieders spiegelte das Grün ihrer Augen wieder . Sie wirkte respekteinflößend , aber nicht abweisend . Ihr Blick war schwer zu deuten , sie schien viele Fragen zu haben .
Sie deutete auf einen mit Schnitzereinen reich verzierten Eichenstuhl . „Setz dich , Elvea . "
Sie erklärte ihr etwas über das Konstrukt und stellte ihr die Frage , die Elvea erwartet hatte .
„Elvea , bitte sag mir , was du hier willst ?“[/i]„ Kiawa , ich weiß , das ich sie und ihr Schiff durch mein Handeln in eine schwierige Lage gebracht habe . Natürlich scheint es eine unüberlegte Tat zu sein , eine von spontanen Gefühlen oder Abendheuerlust getriebene Entscheidung . Unverantwortlich , lebensgefährlich.“ Kiawa sah sie weiterhin ruhig an ,sie widersprach ihr nicht , stimmte ihr aber auch nicht zu . „ Das Letzte , was ich will , ist ihnen in die Quere zu kommen oder im Weg zu stehen . Ich weiß auch , das es andere Wege gibt , um an Bord eines Schiffes zu kommen. Und das man sich , um ein Rebell zu werden , erst einer Spezialausbildung unterziehen muß . Und wenn sie mich fragen , was ich hier will , dann kann ich ihnen nur sagen , das ich weiß , das es hier eine Aufgabe für mich gibt .Ich fühle es. Halten sie mich ruhig für verrückt – das kann ich ihnen nicht verdenken . Aber als ich auf ihrem Schiff war , als wir noch in Zion waren , da wußte ich , das ich hierher gehöre . Und ich bin nicht so naiv zu glauben , das hier alle heldenhafte Taten vollbringen wie in einem Märchenbuch , und dann als strahlende Sieger wieder nach Zion heimkehren ,um sich feiern zu lassen . Ich möchte nur unbedingt jetzt etwas für Zion tun . Ich ertrage das warten nicht mehr , Kiawa .Ich will nicht warten , das sie etwas für uns tun , das sie den Kindern die Hoffnung wiedergeben , die sie nicht kennen . In den Augen der Menschen von Zion , der tapferen Menschen , fehlt etwas , Kiawa . Es ist das Feuer , das das wahre Leben ausmacht .Ich muß jetzt etwas tun oder nie –das spüre ich . Bitte glauben sie mir , ich will alles lernen , was sie mir beibringen können . Bitte helfen sie mir , damit ich den Menschen helfen kann !“
[ Reale welt - Tunnel - Necessitas - Konstrukt - Elvea - Kiawa ]
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Verfasst am: 11.05.2005, 23:36
: Orakel-Schüler(in) :

Anmeldungsdatum: 06.11.2003
Wohnort: Berlin
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Titel:

[Reale Welt - Tunnel - Necessitas - Konstrukt - Elvea, Kiawa]

„… In den Augen der Menschen von Zion, der tapferen Menschen, fehlt etwas, Kiawa. Es ist das Feuer, das das wahre Leben ausmacht .Ich muss jetzt etwas tun oder nie – das spüre ich. Bitte glauben sie mir, ich will alles lernen, was sie mir beibringen können. Bitte helfen sie mir, damit ich den Menschen helfen kann!“

Kiawa sah die junge Frau ernst an. In ihrer Stimme klang Aufrichtigkeit und starker Wille mit. Doch Kiawa wusste, wie viele junge Rebellen mit demselben Mut und Tatendrang wie Elvea in den Krieg gezogen waren. Jedoch mussten sie bald erfahren, dass beides, Mut und Tatendrang, sie im Angesicht des Todes schnell verließen.
Elvea hatte dennoch die Wahrheit gesagt. Ja, die Menschen in Zion dürsteten nach dem wahren Leben. Einem Leben in Freiheit und Unabhängigkeit. War es das nicht wert, dafür zu kämpfen? War nicht genau das der Grund gewesen, warum sich Kiawa selbst damals zum Rebell hatte ausbilden lassen?

„Nun gut Elvea, ich glaube dir. Ich werde dich als neues Crewmitglied auf meinem Schiff aufnehmen. Aber du wirst hart arbeiten müssen. Du musst alles von Grund auf lernen.
Hättest du diese Ausbildung in Zion gemacht, hättest du nicht nur den Schutz der Stadt gehabt, sondern auch erheblich mehr Zeit. Das ist bei dir leider nicht der Fall. Du bist bereits mitten drin, hier auf dem Schiff bist du ständig in Gefahr und somit musst du schnell sein, schneller als die anderen!“


Elvea nickte. Ihre Überzeugung schien durch Kiawas Worte nicht gelitten zu haben.

„Ich weiß noch immer nicht, was ich von dir halten soll, Elvea. Aber du sollst deine Chance bekommen…
Na schön, ich werde dich jetzt allein lassen. Du bleibst gleich eingejackt. Auch wenn wir wenig Zeit haben, möchte ich doch, dass du wirklich mit den grundlegenden Sachen, wie dem Handbuch des Schiffes anfängst. Später kommen das Waffen- und Kampftraining, das Sprungprogramm und ganz zu letzt das Agententraining. Aber wie gesagt, dazu kommen wir später.
Wenn du auf meinem Schiff arbeiten möchtest, dann musst du auch wissen, wie es funktioniert.
Die Nec ist klein und das Leben hier ist schonungslos und nicht einfach. Aber wenn dein Wille wirklich so stark ist, wie du sagst, dann zweifel ich nicht daran, dass du es schaffen wirst.“


Zum ersten Mal, seit Beginn ihres Gespräches, lächelte Kiawa. Sie ging auf Elvea zu und legte ihr eine Hand auf die rechte Schulter:

„Willkommen auf der Nec. Du hast viel zu tun, fang gleich an.“
Sie drückte Elveas Schulter und nun lächelte auch diese:

„Danke Kiawa – Captain, meine ich.“
„Schon gut…heute Abend wirst du gut schlafen können, das garantier ich dir!“
Mit einem Zwinkern in den Augen, löste sich Kiawa wieder von ihrem Gegenüber und legte dann den Kopf ein wenig in den Nacken:

„PC, hol mich raus!“

Sekunden später stand Elvea allein in dem alten Gemäuer aus grauer Vorzeit und Kiawa öffnete ihre Augen in der kalten Wirklichkeit des Hovercrafts.

[Reale Welt – Tunnel – Necessitas – Hauptdeck – Cassie, Kiawa, Revery]

Sofort wandte sie sich an ihre restliche Crew:

"PC, Revery, wir haben ein neues Mitglied in der Crew. Elvea wird ab sofort zum Rebell ausgebildet und auf der Necessitas dienen.
Sie hat noch keinerlei Kriegserfahrung und ich bitte euch, sie so gut es geht, zu unterstützen.“


Cassie und Revery sahen ihren Captain ein bisschen verwundert an. Offenbar war diese Anweisung eine Selbstverständlichkeit für die beiden und Kiawa merkte schnell, dass sie sich, wie immer, auf ihr Team verlassen konnte.

„Ok“, fuhr sie fort. „PC, ich möchte, dass Elvea mit den Grundlagen anfängt. Handbuch, Technik, Steuerung usw., du weißt Bescheid.“

Kiawas Blick fiel auf Revery und ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus:

„Wir beide sollten auch trainieren.
PC, lade uns ins Konstrukt während Elvea ihre Informationen eingespeist bekommt und behalte die Wächteranzeigen im Auge!“
„Alles klar Captain…“
, Cassie tippte bereits auf ihrer Tastatur herum und der Computer lieferte Elveas Gehirn die ersten Daten über das Schiff.
„Darf`s sonst noch was sein? Ein Cocktail, ein Luftschiff, ein Haus im Grünen?“

Kiawa zog die Augenbrauen nach oben, musste jedoch schmunzeln.

„Danke PC, nur die Trainingssimulation!“
„Bitte sehr, bitte gleich!“


Kiawa und Revery setzten sich auf ihre Stühle, Cassie steckte ihnen die Stecker in den Nacken und einen Lidschlag später waren Geist und Körper der beiden getrennt und befanden sich jeweils in verschiedenen Welten.

[Reale Welt – Tunnel – Necessitas – Konstrukt – Revery, Kiawa]
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Verfasst am: 14.05.2005, 16:17
: Programm-Dealer(in) :

Anmeldungsdatum: 06.12.2003
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Beiträge: 131
Titel:

[ Reale Welt – Tunnel – Necessitas- Hauptdeck – Elvea ]

Sie würde eine Rebellin werden....eine Rebellin.....die Worte von Kiawa hallten immer noch in Elveas Kopf , wie ein Ohrwurm , den man nicht mehr loswird . Als Cassie sie aus dem Konstrukt holte, und ihr erklärte , das sie ihr nun das theoretische Fachwissen eingeben würde, welches die Basis für ihre Ausbildung darstellen würde , kam sich Elvea vor wie in einem Traum ,von dem man wußte , das es ein Traum war , aus dem man aber trotzdem nicht erwachte .
Die ersten Informationen , die vor ihrem inneren Auge vorbeirasten , betrafen die technisches Details der Necessitas . Der Aufbau des Schiffes , die Steuerung , all das Wissen , was es ihr im Notfall ermöglichen würde , Reparaturen vorzunehmen , und anderweitig einzugreifen . Es schien alles rasend schnell zu gehen , denn dieses Kapitel war bald beendet .
Als nächstes war Waffenkunde an der Reihe . Schußwaffen hatte Elvea immer verabscheut , aber ihr Vater hatte echte Samuraischwerter besessen , die sie schon als kleines Kind faszinierten .Ihr Vater hatte ihr natürlich stets streng verboten , sie anzufassen .Um ihr die Gefährlichkeit zu demonstrieren hatte er aus geringer Höhe eine Wassermelone auf die Klinge fallen lassen , die in der Mitte gespalten wurde , was zur Folgen hatte , das Elvea nur noch begeisterter von den „ Jians „ , den Schwertern , war.
Nun erhielt sie das nötige theoretische Wissen über Daos ( Säbel ) und Jians (Schwerter ) .Die antiken Säbel waren einst aus Hartholz gewesen , das mehrere Jahre in Wasser und dann in Öl gelagert wurde , um es auszuhärten . Um 2500 n. Chr. entstanden erste Stein – und Jadesäbel ,die meißt rituellen Zecken dienten. Standen Kämpfe bevor , wurden Säbel oft erst am Vorabend der Schlacht gemacht . Sie waren von schlechter Qualität und hielten auch nur dieser einen Schlacht stand .
In der Ming – Dynastie begann man zwischen zivilen Säbeln ( Wendao ) und militärischen Säbeln ( Wudao ) zu unterscheiden . Die zivilen wurden zum Training der Nahkampfkünste benutzt ,sie waren kürzer und schwerer als die militärischen .
Säbel werden häufig paarweise eingesetzt .Schmetterlingssäbel mit kurzen aber extrem scharfen Klingen , „Biaodaos „ , Stachelsäbel zum werfen , „ Bishous „ , Dolche , „ Jiedaos „ ,Säbel aus Guseisen ...Säbel werden auf Distanz von 3 Metern zum Gegner eingesetzt ...Säbel ermöglichen mit ihren gebogenen Klingen direktere und offensivere Angriffe als Schwerter .Zudem sind sie massiver und geeigneter für harte Blöcke und Abwehr .
Nun standen Stöcke ( Shouguns ) auf dem Programm , mit denen man Schneiden , Stechen , Schwingen , Kontern und Abwehren konnte .
Bei den Schußwaffen unterschied man zwischen den Kurzwaffen : Berettas , Glocks , Walthers etc .Bei den Langwaffen unterschied man zwischen Büchsen und Flinten sowie kombinierten Arten . ...mit einem Ruck riß Elvea die Augen auf. Cassie war wohl gerade dabei eine Diskette zu wechseln , und sie tauchte ein in das Nahkampfwissen . Judo , Ju Jutzu , Aikido , Karate , Kendo , Kung Fu , Taekwondo ....alles raste durch Elveas Gedanken . Hier wurden ihr die Katas eingespeißt. Kata ist der Fachbegriff für die Formen , den allgemeinen Ablauf der Bewegungen , der Richtung , Wendepunkte , der Reihenfolge der Bewegungsmuster im Kampfsport . Jede hat einen eigenen Rhythmus ,eigenen Gesetzte .
Auch die Analyse und das Verstehen der Techniken ( „ Bunaki „) waren wichtige Inhalte der Ausbildung . Sie lernte alles über Fußtritte , Kreuzblöcke , Fersentritte , Deckungen , Schlagtechniken . Wo waren Trefferflächen , wo waren sie am effektivsten , was gab es für Beintechniken , usw.schließlich war auch dieser Teil beendet , und Elvea schlug die Augen wieder auf . „ Das reicht fürs erste , Elvea . Ruh ´dich jetzt etwas aus . „ Elvea stand auf und fühlte sich müde und geschafft . Cassie brachte sie zurück in eine der Kabinen .Elvea ließ sich auf ein Bett sinken und konnte dennoch nicht abschalten . Sie würde Rebellin werden....

[ Reale Welt – Necessitas – Tunnel – Kabinen – Elvea]
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Verfasst am: 16.05.2005, 13:42
: Unwissende(r) :

Anmeldungsdatum: 05.05.2005

Beiträge: 13
Titel:

[Reale Welt – Tunnel – Necessitas – Hauptdeck – Cassie, Kiawa, Revery]

"PC, Revery, wir haben ein neues Mitglied in der Crew. Elvea wird ab sofort zum Rebell ausgebildet und auf der Necessitas dienen.
Sie hat noch keinerlei Kriegserfahrung und ich bitte euch, sie so gut es geht, zu unterstützen."


Revery sah seinen Captain nach diesen Worten ebenso verwundert an wie Cassie. Obwohl er noch nicht einmal so lange auf diesem Hovercraft war wie sie war es doch auch für ihn im Grunde eine Selbstverständlichkeit Elvea zu helfen soweit diese sich in einigen Dingen noch nicht sonderlich bewusst war. Trotzdem sagten sie beide kein Wort und Kiawa schien wohl auch so oder so zu verstehen.

Kiawa erteilte Cassie noch eben einige kleinere Anweisungen Elveas Ausbildung betreffend und er lehnte sich derweil zurück gegen die Wand des Hovercrafts hinter sich, spürte das sachte Vibrieren des Schiffes darin und verschränkte die Arme vor der Brust, dann fiel der Blick seines Captains auf ihn und Kiawa lächelte ihm zu, was ihm unweigerlich sagte, dass auch auf ihn eine Aufgabe wartete.
Revery hob leicht fragend eine Augenbraue und schon fuhr Kiawa fort.

„Wir beide sollten auch trainieren.
PC, lade uns ins Konstrukt während Elvea ihre Informationen eingespeist bekommt und behalte die Wächteranzeigen im Auge!"

„Alles klar Captain …", war Cassies Antwort und schon tippte sie drauf los.
„Darf`s sonst noch was sein? Ein Cocktail, ein Luftschiff, ein Haus im Grünen?"

Revery grinste schief und stieß sich von der Wand ab. „Ich hätte nichts gegen den Cocktail aber mit dem Ding in der Hand lässt sich schlecht kämpfen, ne?“

Er ließ sich in einen der Stühle sinken, Kiawa folgte, dann steckte Cassie sie beide an und kurze Zeit darauf schlossen sich ihre Augen während sie die reale Welt ‚verließen‘.

[Reale Welt – Tunnel – Necessitas – Konstrukt – Revery, Kiawa]

Nachdem er die Augen wieder öffnete, befanden er und Kiawa sich auf einem weitläufigen Grünplateau von durchschnittlicher Größe. Um sie her rauschten Wasserfälle in die Tiefe, in einiger Höhe ließen Weiden ihre Äste herabhängen, die im leichten Wind ein wenig schaukelten und auf dem Plateau selbst verteilt ragten Felsen empor.
„Nett, huh?" Revery grinste noch immer und stellte mit einem schwungvollen Dreh fest, dass sich seine rechte Hand um ein Schwert geschlossen hatte. Ein Katana. Er sah darauf herab, warf dann wieder Kiawa einen Blick zu und wusste dabei ganz genau, dass sie in dem Fall nicht auf derselben Seite kämpfen würden.
Er griff das Schwert mit beiden Händen locker und führte es in einer raschen Geste aufwärts, schon stürzte Kiawa auf ihn zu und die Kanten ihrer Schwerter krachten aufeinander, glitten aneinander entlang, bis sie kaum eine handbreit von der Haut des jeweils anderen Führers entfernt waren. Revery rollte sich neben Kiawa ab, die Kante des Schwerts in seiner Hand verließ dabei nicht die des Ihrigen, bis er in einer halb Knieenden Haltung wieder auf den Beinen war, das Schwert einmal über sich selbst führte und es dann über seine rechte Schulter gleiten ließ, wo er direkt den nächsten Schlag abfing.
Schon stand er wieder aufrecht.
Mit mehreren Schlägen führte Kiawa ihn jetzt rückwärts über das Plateau hinweg, mit jedem Schlag wich Revery einen weiteren Schritt zurück.
Innerlich staunte er nicht schlecht über seinen Captain, versuchte es jedoch nicht weiter zu zeigen. Kiawa führte das Schwert in so flüssigen Bewegungen, dass es wie Wasser wirkte das durch die Luft flog und sie unterbrach kein einziges Mal. Damit kam er selbst mit seinen Trainingsstunden im Konstrukt noch nicht heran.
Er hob den Blick und sah Kiawa für den Bruchteil einer Sekunde in die Augen ohne ihren Kampf zu vergessen.

Sie muss schon einige Male in der Matrix gewesen sein ...

Sie trieb ihn weiter rückwärts, dann, langsam senkte er den Blick und folgte wieder den Bewegungen, die sie mit dem Schwert ausführte. Es kostete ihn einige Minuten und er stand mittlerweile fast am Rande des Plateaus, dann, mit einem kurzen Griff zog er das Katana hoch und fing einen von Kiawas Hieben mit der rechten Hand ab den er bisher jedes Mal verfehlt hatte. Er grinste in sich hinein und zog sich mit einem Ratschlag hinter den nächsten Felsen zurück.
Schweigend lehnte er sich einen Moment lang dagegen und schlich dann weiter über die grüne Fläche zwischen der Ansammlung von Steinen, das Schwert in seiner Hand immer wieder drehend. Was er brauchte, war eine Möglichkeit Kiawa zu überraschen ... dummerweise machte sein Captain nicht gerade den Eindruck als ließ sie sich von irgendetwas so schnell überraschen ...
In seinen Überlegungen merkte er nicht, wie Kiawa sich ihm bereits wieder näherte, auch ihre Schritte waren auf dem Gras so leise dass man sie längst nicht mehr hörte ... erst als das Surren der scharfen Kante dicht neben ihm erklang riss Revery erstaunt die Augen auf. Er wirbelte herum führte das Schwert über seinen Kopf und die Kante traf senkrecht auf das Schwert seines Captains und drückte die Waffe aus Eisen ein Stück herab.

„Ich war in meiner Kindheit nie gut im Versteckspiel ...“, stellte er lächelnd fest, zog dann wieder einige Schritte in einer Drehung zurück und hob das Schwert erneut, bevor Kiawa jedoch nahe genug kam um sie erneut in einen Kampf zu verwickeln ließ er es wieder sinken und steckte es neben sich in den Grasboden, die Arme zu beiden Seiten ausstreckend.
Sein Captain kam daraufhin seinem Schwertbeispiel nach, legte es beiseite und nahm ihre favorisierte Kampfhaltung ein, winkte ihn mit einer Hand zu sich.
Diesmal war es Revery der der Aufforderung nachkam und mit einigen Schritten bei ihr war. Er druckte sich weg nachdem Kiawas Fuß in einem Tritt knapp über seinen Kopf schwang, fing beim Aufstehen einen Schlag mit der Handkante ab und machte sich daran seinen Captain mit Tritten und Schlägen in Schach zu halten, die Kiawa jedoch ohne jede Schwierigkeit abfing.

Verdammt ... sieht ja fast so aus als wüsste sie, wo ich zuschlage bevor ich’s tue ...

Er schwang seinen eigenen Fuß, Kiawa tat es ihm gleich und fing seinen Angriff ab, so ging es ein wenig ungleich weiter, erst nach einer ganzen Weile gewann Revery ein wenig die Oberhand und führte Kiawa rückwärts über das Plateau weg, in dem er diesmal die Defensive Haltung einnahm und sich einfach darauf konzentrierte Kiawas Angriffe abzuwehren und dabei vorwärts zu gehen. Kiawa fing seine Faust ab die auf sie zuschnellte und er fühlte, wie sie ihn über die Schulter katapultiere, konnte sich eben noch so darauf konzentrieren nicht zu fallen sondern dieselbe Geste mit seinem Captain auszuführen, nur landete Kiawa dabei ebenfalls wieder auf ihren Füßen anstatt wie beabsichtig auf dem Rücken.
Erstaunt hob Revery die Augenbrauen, sie lächelte knapp und schon war er es wieder der rückwärts geschickt wurde.

Etwas berührte in einem kurzen, harten Schlag seinen Rücken und Revery fand sich gegen einen der Felsen gedrängt wieder. Kiawa schnellte auf ihn zu er zog den Arm hoch und fing ihren Handkantenhieb mit seinem Unterarm über der Schulter ab, noch während er sich abrollte und mehr oder weniger schnell direkt neben ihr wieder auf die Beine kam. Gerade noch hielt er sich davon ab nach Luft schnappen zu wollen und hielt statt dessen den Blick nach vorn gerichtet auf einer der Wasserfälle.

„Shit ... Sie eh ... Sie sind verdammt gut."

Er atmete darauf doch einmal tief durch, griff dann mit der rechten Hand seine linke Schulter und massierte sie leicht, während er sich wieder seinem Captain zuwandte.

„Wie oft waren sie seit ihrer Befreiung schon in der Matrix? Muss schon ein paar Mal gewesen sein, hn?“, fragte er langsam und ließ sich kurzerhand auf den flach liegenden, leicht von Moos bewachsenen Felsen neben sich nieder.

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Verfasst am: 16.05.2005, 17:30
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Revery hatte nicht schlecht gekämpft. Er war ausdauernd, einfallsreich und kraftvoll – das gefiel Kiawa.
Sie war sich sicher, dass sie sich bei einem Einsatz um ihn keine Sorgen machen brauchte. Er konnte viel einstecken und war flexibel, zwei Eigenschaften, die ihm in der Matrix das Leben retten konnten.
In Reverys Innerem wohnte ein reger Geist, das hatte Kiawa spüren können. Wenn er vielleicht auch noch nicht so weit war, wie sie selbst, so war er doch ein Kämpfer, auf den sie sich hundertprozentig verlassen konnte.

Revery ließ sich schwer atmend auf einen, flachen, mit Moos bewachsenen Hügel nieder:

„Wie oft warst du seit deiner Befreiung schon in der Matrix? Muss schon ein paar Mal gewesen sein, hm?“, fragte er und blickte Kiawa interessiert entgegen.

Kiawa lächelte, ging zu ihrem Schwert und nahm es wieder auf. Sie kannte es, Cassie hatte es ihr schon einmal zur Verfügung gestellt. Der weiß umwickelte Griff mit der daran befestigten roten Kordel, lag gut in ihrer Hand und Kiawa schwang es noch einmal einige Male hin und her. Die Klinge umkreiste ihren Körper und schien sie zum Tanz aufordern zu wollen, es war ein gutes Gefühl.
Langsam drehte Kiawa sich wieder zu Revery um, der sie die ganze Zeit beobachtet zu haben schien. Sie ließ das Schwert sinken und mit einem leisen Singen kam es an ihrer Seite zum Ruhen.

„Ja, ich war schon einige Male in der Matrix. Ich kann dir nicht mehr genau sagen, wie oft es war.“

Kiawa ging auf Revery zu. Das Lächeln war von ihrem Gesicht gewichen, Ernsthaftigkeit und eine Spur Zorn hatten es vertrieben.

„Die Matrix hat mir viel genommen und nichts gegeben, ich verabscheue sie. Sie ist die Welt der Maschinen und ich möchte nie wieder ein Teil von ihr werden.
Nach meiner Befreiung hatte ich mir geschworen, diese Welt der Fiktion und des Scheins, nie wieder zu betreten.
Ich habe in den Tempeln gelebt und dort gearbeitet. Doch ich wusste, dass ich wider meiner Bestimmung handelte. Mein Weg war vorbestimmt, schon als Kind hatte man mich darauf vorbereitet, dass ich …“
, Kiawa brach ab.

Sie hatte bisher mit niemandem über ihre Vergangenheit gesprochen. Noch nicht einmal Cassie wusste alle Einzelheiten.
Sie schloss für einen kurzen Moment die Augen, ehe sie sich wieder an Revery wandte:

„Das würde zu weit führen, lassen wir das.“ Sie stand auf.
„Du kämpfst gut…“, wechselte sie das Thema. „Offenbar hast du viel trainiert, das merkt man.
Allerdings ist etwas anderes, ob du nun in einer Simulation trainierst, oder aber in der Matrix kämpfen musst!“


Kiawa stand auf und drehte Revery den Rücken zu. Ihr Blick sah in die Ferne und schien doch nichts wirklich wahr zu nehmen.

„Besonders, wenn du einem Agenten gegenüber stehst …“, sagte sie leise. Ihre Worte klangen hart und voller Hass.

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Verfasst am: 16.05.2005, 18:06
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Schweigend und trotzdem mit deutlichem Interesse beobachtete Revery, wie Kiawa erneut das Katana nahm und wieder flossen ihre Bewegungen ineinander. Es schien wie ein Spiel oder etwas in der Art und hatte wohl einen festen Ablauf ... wenn er auch nicht wirklich dahinter kam, welchen.
Er legte den Kopf ganz leicht zur Seite während er sie beobachtete, zog dann ein Bein an und ließ seinen Arm locker auf seinem Knie ruhen, während er langsam wieder ‚zu Atem kam'.
Als Kiawa sich erneut zu ihm wandte, waren ihre Züge hart und das Lächeln vollkommen verschwunden. Er runzelte leicht die Stirn und verfolgte jeden ihrer Schritte, während sie auf ihn zukam.

War es tatsächlich Wut, die sich in ihrem Gesicht spiegelte in diesem Moment? Ihre Worte klangen hart, wie der Schlag einer Klinge, jedes Einzelne für sich.
Er hörte ihr jedoch schweigend zu und hielt sich fern davon sie zu unterbrechen. Statt dessen ließ er den Blick wieder schweifen, hörte aber trotzdem aufmerksam zu.

Revery merkte leicht auf als Kiawa begann von ihrem früheren Leben zu erzählen. Er wandte ihr den Blick wieder zu und musterte sie aus seinen dunklen Augen kaum merklich. Sie hatte also im Tempel gedient vorher ... er hatte ihn nie betreten, nicht in ein einziges Mal in guten 10 Jahren in Zion. So wie er auch nie auf dem Friedhof gewesen war.
Es hätte ihn durchaus interessiert, wie Kiawas Erzählung weiterging, aber er vermutete, dass sie ihre Gründe hatte, etwas nicht zu verraten und es war nicht seine Art nachzufragen, er wartete lieber darauf, dass jemand etwas aus freien Stücken heraus erzählte, so wie er es auch selbst von anderen ihm gegenüber erwartete und so nickte er einfach nur, als sie abbrach.

Revery musterte eine Weile schweigend Kiawas Rücken, nachdem sie aufgestanden war. Kurze Zeit herrschte Stille bis auf das rauschen der Wasserfälle. Schließlich tat er es ihr gleich und stand auf, ließ die Hand von seiner Schulter sinken und steckte die Hände in die weiten Taschen seiner Hose.
Er richtete den Blick seinerseits in die Ferne. „Ich weiß. Das war mir gleich klar. Es ist etwas anderes in einem Spiel zu spielen, das man nur ein einziges Mal auf die eine Weise durchgehen kann und nicht hundert Mal wiederholen, wenn man einen Fehler reinhaut. Ich hab meine ganze Zeit in Zion darauf verwandt zu trainieren ... aber es war eher so als würde ich vor irgendwas weglaufen. Deswegen bin ich ja hier ... um das richtige Spiel kennen zu lernen."
Er hielt inne und ließ den Blick wieder schweifen. „Ich eh .. wollte einige Zeit auch nicht zurück. Bis mir klar wurde, dass es nichts bringt. Wie ich schon sagte, ich war nie gut im Versteckspiel ..."

Sein Blick wanderte zu Kiawa hinüber und er musterte sie erneut ein wenig. Wieder war dieser Ton in ihrer Stimme, er schien jedes Mal zu kommen, wenn sie über die Matrix sprach. Und er wollte es ihr gar nicht mal verübeln ...
„Du bist denen nicht nur einmal begegnet, huh? Und wohl kaum einfach weggerannt. Merkt man an deinem Stil ..." Langsam fiel sein Blick wieder zur Seite. „Wie fühlt sich's an? Wenn man ihnen gegenübersteht?"

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Verfasst am: 16.05.2005, 19:01
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„Wie fühlt sich's an? Wenn man ihnen gegenübersteht?"

Kiawa antwortete nicht sofort. Es war nicht so, dass sie Revery nicht sagen konnte, was sie gefühlt hatte, als sie dem Agenten begegnet war. Doch sie wollte ihre Worte überlegt wählen um ihrem Kollegen einen guten Eindruck zu verschaffen:

„Hattest du jemals in deinem Leben richtige Angst, Revery? Ich meine nicht die Art von Angst, die man hat, wenn man einer neuen Aufgabe gegenüber steht oder eine wichtige Prüfung auf einen wartet. Nein, ich meine die Angst, die du körperlich spüren kannst. Wie ein Wesen aus kalter Luft kriecht sie dir in die Knochen und ihr eisiger Atem drückt dir die Lungen zu. Dein Herz gefriert und du hast das Gefühl, als würde es jeden Moment stehen bleiben und in tausende Splitter zerspringen. Du willst rennen, doch deine Beine gehorchen dir nicht. Du blickst in dieses regungslose Gesicht und tief in deinem Inneren weißt du, dass du nicht gewinnen kannst.“

Revery schüttelte sich leicht, so als würde er frieren. Er rieb sich die Oberarme und sagte dann leise:
„Aber du hast es überlebt …“.
Kiawa nickte:
„Richtig, ich hab diese Begegnung überlebt und das nicht nur einmal. Doch bitte glaube nicht, ich hätte im Alleingang, heldenhaft und heroisch, diese Kämpfe überstanden. Ich hatte großes Glück und vor allem hatte ich eine starke Crew hinter mir. Ohne PC und die anderen, würde ich mit Sicherheit nicht mehr am Leben sein und jetzt hier neben dir stehen.
Revery, diese Agenten sind Monster. Sie sind verabscheuungswürdige Bestien, die nur auf eines ausgerichtet sind, und zwar, uns zu töten. Sie haben keinerlei Gefühle, sie kennen kein Erbarmen und auch kein Mitleid. Wo sie waren, da hinterlassen sie blutige Spuren. Glaub mir, ich weiß genau, wovon ich rede. Nicht alle Rebellen, hatten so viel Glück wie ich.
Stärkere und erfahrene Kämpfer als ich es bin, mussten ihr Leben lassen, weil sie …“,
Kiawa schluckte. „Weil sie allein gekämpft haben …“.
Ihr blieben die Worte im Hals stecken. Obwohl sie Espore hatte gehen lassen, obwohl sie sein Andenken losgelassen hatte, hatte sie dennoch noch immer diesen Klos im Hals, sobald sie von ihm sprach.

„Ich kann dir nur eines raten, Revery, sagte sie mit belegter Stimme. „Lass dich nicht auf einen Kampf mit ihnen ein. Renne, renne um dein Leben! Ansonsten werden sie es dir, ohne mit der Wimper zu zucken, nehmen.“

Kiawa blickte ihrem Crewmitglied in die dunklen Augen. Sie sah ihn eine Weile an ohne auch nur einmal zu blinzeln. Der Hass, durch ihre eigenen Worte aufs Neue entfacht, wich langsam aus ihren Gliedern und ihre Gesichtszüge entspannten sich allmählich.

„Wir sollten zurück aufs Schiff. Sicher hat Elvea ihre erste Lerneinheit hinter sich, es ist besser, wenn sie ihr theoretisches Wissen gleich in die Praxis umsetzen kann. Ich werde heute noch mit ihr das Sprungtraining machen.“

Kiawa legte den Kopf in den Nacken:

PC, hol uns raus!“

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