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Philosophie » Warum die Maschinen gewonnen haben ...
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Verfasst am: 24.07.2008, 20:15
: Programm-Dealer(in) :

Anmeldungsdatum: 06.11.2003
Wohnort: Zion
Beiträge: 158
Titel: Warum die Maschinen gewonnen haben ...

Seid mir gegrüsst, ihr, die ihr noch da seid, ihr, die überlebt haben.

Ich habe letztens über die Trilogie nachgedacht und mir fiel dabei etwas auf. Die erste Matrix war als perfekte Welt geplant, in der niemand hätte leiden müssen. "Ein rundum glückliches Leben", wie Agent Smith bemerkt.

Allerdings ging der virtuelle Garten Eden schief. So wie Eva in die verbotene Frucht biss, so lehnten die Menschen ihr Paradies ab. "Es war ein Desaster. Es fielen ganze Ernten aus", erzählt Smith.

Warum scheiterte die erste Matrix? Was war es, was die Maschinen nicht verstanden? Was sie versuchten zu simulieren, es aber nicht hinbekamen? Was war die Anomalie? Es waren die menschlichen Gefühle. Hass, Trauer, Zorn, Eifersucht, Freude, Liebe, Sehnsucht, Leidenschaft.

Daran scheiterte die erste Matrix. Version 1.0 ging gänzlich unter. Also wurde eine neue Welt konzipiert: Die Erde am Ende des 20. Jahrhunderts. So wie sie ist: Lärmend, versmogt, versnobt, brutal, deprimierend, eben erschreckend vom Menschen geprägt. Beeindruckend, wie die Maschinen die Geschichtsbücher gewälzt haben. Aber darauf will ich gar nicht hinaus.

Das Leben ist bekannterweise kein Ponyhof. Aber woher sollten die Maschinen das wissen? In ihrer künstlichen, maschinellen Perfektion bauten sie eine leiderfüllte, "normale", "realistische" Welt für uns, die sich "durch Kummer und Leid definiert".

Zwei Dinge, welche die Maschinen einfach nicht verstehen. Wie sagt das Orakel dazu über den Architekten? "Er kann es nicht verstehen, er kanns einfach nicht. Für ihn sind sie die Variablen in einer Gleichung." Aber wer sagt denn, dass das Orakel das kann? Sicher, sie wirkt warmherzig und nett, man entwickelt sofort Sympathie für sie. Und genau das ist der Knackpunkt! Sie soll so sein, damit Neo und Konsorten ihr vertrauen. Sie ist so nett und freundlich und sympathisch und warmherzig, _weil sie so programmiert ist_.

Jedes Programm in der Matrix muss seinen Zweck erfüllen. Der Zweck des Orakels ist es, Neos Vertrauen zu gewinnen, ihm über die Cookies neue Fähigkeiten zu geben, ihn dazu zu bringen, bestimmte Dinge zu tun - und ihn anzulügen!

So, jetzt seid ihr geschockt, hm? Aber seid doch mal ehrlich, wann hat man Neo denn jemals die Wahrheit erzählt? Abgesehen von Morpheus und seiner Crew und vielleicht ein paar Leuten in Zion, aber ansonsten? Der grösste Lügner in der Trilogie ist m.E. der Architekt, der Neo von seinen Vorgängern erzählt und vom Reload, der aufgrund der Anomalie durchgeführt wird.

Gleichzeitig steht ein Angriff auf Zion bevor. Und der Architekt zeigt Neo seine Liebste Trinity, die durch einen Agenten tödlich verletzt in die Tiefe stürzt. Neo entscheidet sich gegen den Reload und gegen Zion und für Trinity und rettet ihr damit das Leben.

Und nun erst zeigt sich die nackte, kalte, blanke Wahrheit: Es gab zwar mehrere Vorgänger, jedoch dienten diese lediglich dazu, das Verhalten der Personen auszutesten. Und vermutlich entschieden sich alle für den Reload. Sei es, um einer vermeintlichen Bestimmung zu folgen, sei es, um als wackerer Heroe Zion zu retten, einer nach dem anderen opferte sich der Quelle. Erst Neo entschied sich anders. Warum? Weil ich mich so entschieden habe. Um seine Liebste zu retten, entschied sich Neo gegen die Bestimmung, gegen Zion, gegen die Menschen, dafür jedoch für die Liebe - mit allen damit in Verbindung stehenden Konsequenzen.

Und Zion, als Papierkorb auf dem Desktop der Maschinen, wird sowieso angegriffen und "geleert" werden. Der einzige Grund, warum der Architekt Neo Trinity zeigt, ist derselbe Grund, warum die Maschinen wollten, dass er zur Quelle kommt. Und auch derselbe Grund, warum Neo später dazu gebracht wird, in der Matrix gegen Smith zu kämpfen:

Die Matrix ist nichts anderes als ein gigantisches, maschinelles Soziologie-Experiment. Die Maschinen brachten Neo - und sicher auch andere - in extreme Situatrionen, um zu sehen, wie sie dann handeln, wie sie sich entscheiden. Wäre es dem Architekten nur um den Reload gegangen, hätte er Neo eiskalt verschwiegen, dass Trinity in Gefahr war.

Aber nein, er hat es Neo erzählt und demonstriert. Und Smith, dessen Code gänzlich von Segmenten menschlicher Emotionen (vermutlich durch zuviel Kontakt mit selbigen) total kontaminiert ist, kann (und will?) das Programm "Liebe" einfach nicht verstehen. Allerdings, nur ein schwächlicher, menschlicher Intellekt kann sowas geschmackloses erfinden wie die Liebe!

Über die Geschmacklosigkeit der Liebe lässt sich nun streiten, aber der Satz zeigt, dass Smith mit der Funktion der Liebe nicht klarkommt. Smith ist ein gigantischer Störfaktor in diesem Experiment, der sich verbreitet und alles in Gefahr bringt - und dennoch dem ganzen Experiment zu Gute kommt und ihm dient, eben _weil_ er alles in Gefahr bringt. Somit ist Neo gezwungen, erneut für die, die er liebt und mag, in den Kampf zu ziehen: Für Morpheus, für Link, für Kid, für Trinity, auch wenn sie zu dem Zeitpunkt schon tot ist und für die Viertelmillion Menschen, die in Zion mehr oder weniger hilflos die Armada von Squiddies erwarten.

Aber wie dem auch sei, bereits in Reloaded haben die Maschinen eine Version von "Liebe" erschaffen, ein Pärchen von Programmen: Rama Kandra und seine Frau Kamala, quasi Liebe-Version 1.0.

Neo: "Ich habe nur noch nie ..."

Rama-Kandra: "... gehört, dass ein Programm von Liebe spricht."

Neo: "Es ist ein - menschliches Gefühl."

Rama-Kandra: "Nein, es ist ein Wort. Es kommt darauf an, was Sie mit der Bedeutung dieses Wortes verbinden. Ich sehe, dass Sie verliebt sind. Was würden Sie dafür geben, um diese Verbindung aufrechtzuerhalten?"

Es ist klar, dass er sich so äussert. Direkt, technokratisch und logisch. Doch wie dem auch sei, Rama und Kamala sind Liebe-Version 1.0. Und die kleine Sati ist Liebe-Version 1.1. Sie ist die Vervollkommnung der Liebe, dieses kleinen, grossen, mächtigen Gefühls, das die Maschinen erst lernen mussten zu verstehen, um es am Ende in triumphaler Perfektion zu simulieren. Nicht für die Menschen, die es selbst können, sondern für ihre Programme.

Ja, der Auserwählte hat tatsächlich nie etwas beenden sollen. Er war lediglich ein Werkzeug, um die Liebe endlich verstehen und in die Matrix eingliedern zu können. Letzten Endes haben nicht Neo und die Menschen, sondern die Programme und die Maschinen gewonnen...

Rick


Zuletzt bearbeitet von Rick am 02.10.2009, 18:19, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Verfasst am: 26.07.2008, 14:06
: Befreite(r) :

Anmeldungsdatum: 06.11.2003

Beiträge: 325
Titel: Re: Waghalsige Theorie...

gut ausgearbeitet ...
aber der Architekt erwähnte ja bereits sowas ähnliches das es bei Neo eben mehr um die Liebe gehen soll

Architekt: Es gibt Bedingungen für das Überleben, die wir bereit sind zu akzeptieren. Wie dem auch sei, die maßgebliche Frage ist, ob du bereit dazu bist, Verantwortung für den Tod eines jeden Menschen auf der Welt zu übernehmen. [auf den Bildschirmen erscheinen Szenen von glücklichen Menschen aus allen Teilen der Matrix]
Interessant deine Reaktionen zu beobachten. Deine fünf Vorgänger wurden mit einer gemeinsamen Veranlagung programmiert [ungenaue Übersetzung von: Your 5 predecessors were, by design, based on a similar predication], einer bedingt positive Eigenschaft, die dazu gedacht war, eine tiefe Zuneigung zum Rest ihrer Spezies zu entwickeln, was die Funktion des Auserwählten erleichterte. Während die Anderen dies auf eine sehr diffuse Weise erlebten [ungenaue Übersetzung von: While the others experienced this in a very general way], ist deine Erfahrung diesbezüglich sehr viel präziser, in Anbetracht der Liebe." [Bilder von Trinity erscheinen auf den Bildschirmen]
Neo: "Trinity!"


ja klar erzählt er von Vorgängern ... es ist nur die frage was sind die Auserwählten?
Jeder erfüllt ja seinen Zweck

Schlüsselmacher: "Wenn eins versagt, versagt das andere ebenso."
[..]
Schlüsselmacher: "Ich weiß es, weil ich es wissen muss. Es ist meine Bestimmung. Es ist der Grund, weshalb ich hier bin. Der selbe Grund, warum wir alle hier sind."


vom Prinzip ist Neo nur einer der Auserwählten ... mit ihm wird eben der Bezug zur Liebe unter extrem Situationen analysiert

der Auserwählte der LiebesAnalyse ...
somit kann es eben auch mehr auserwählte geben ... jeder für seine Bestimmung

Smith: "Wir sind nicht hier, weil wir frei sind. Wir sind hier, weil wir nicht frei sind; wir können dem Zweck nicht entrinnen; wir können die Bestimmung nicht verleugnen, denn wie wir beide wissen, ohne Bestimmung - würden wir nicht existieren."
Smith#2: "Es ist die Bestimmung, die uns erschaffen hat."
Smith#3: "Bestimmung, die uns verbindet."
Smith#4: "Bestimmung, die uns motiviert,"
Smith#5: "die uns führt,"
Smith#6: "die uns antreibt."
Smith#7: "Es ist Bestimmung, die uns definiert."
Smith#8: "Bestimmung, die uns verbindet


mfg
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Verfasst am: 21.08.2008, 02:21
: Programm-Dealer(in) :

Anmeldungsdatum: 06.11.2003
Wohnort: Zion
Beiträge: 158
Titel: Re: Waghalsige Theorie...

Also immer ein Auserwählter für jedes Problem in der Matrix? Oder hat man so viele Auserwählte gebraucht, bis sie kapierten, wie Liebe funktioniert?

Rick
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Verfasst am: 13.09.2008, 11:33
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Anmeldungsdatum: 14.01.2004
Wohnort: Planet Erde
Beiträge: 914
Titel: Re: Waghalsige Theorie...

Ich habe es immer so gedeutet, dass die Auserwählten der logische Rest der Mathematischen Formeln sind. Jedoch zum Betrieb des Systems gebraucht werden, um somit die fehlenden Stücke zu ergänzen.

Ein Problem war wohl die logische Umsetzung der Liebe, und somit wurde ein Auserwählter erzeugt der den Pool der Liebe in sich trug. Es war aber nicht beabsichtigt, sondern es entstand von sich aus, da die Summe einer Mathematischen Formen immer gleich sein sollte.
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